Martin Ziegmüller mit Radierungen in Biel Striche – zart bis kräftig

80 und kein bisschen müde. Martin Ziegelmüller zeigt im Centre Pasquart zwei Zyklen von Radierungen, die im Abstand von 20 Jahren entstanden sind.
Martin Ziegelmüller

Arbeitsreiches Leben. Der 80-jährige Martin Ziegelmüller denkt nicht ans Aufhören. 

Martin Ziegelmüller sitzt fast verloren im schönen PomaSaal des Centre Pasquart. An den Wänden um ihn hängen 143 Radierungen, kleinere und grössere, filigran bis hin zu ganz schwarzen Flächen. «Rauch der Hexenfeuer» heisst dieser erste Radierungszyklus, der zwischen 1990 und 1996 entstanden ist, gleichsam als Antwort auf den JugoslawienKrieg. «Dieser Konflikt hatte für mich viel Ähnlichkeit mit den Hexenverbrennungen, und er befand sich fast vor der Haustür. Ich fragte mich: Wärst du auch zu solchen Gräueltaten fähig?» In den Blättern des Zyklus wimmelt es von unheimlichen Gestalten, von Henkern und Mördern, von echten und unechten Hexen. Das Fabulieren, das sich der Künstler in seinen farbigen Werken verbietet – «denn in die Malerei gehören Farben und nicht Geschichten» –, schlägt sich in den Radierungen umso mehr nieder. 20 Jahren später macht sich Martin Ziegelmüller, 80, daran, den (in seinem Kopf) geplanten «männlichen» Gegenzyklus zu «Rauch der Hexenfeuer» in Angriff zu nehmen. Geplant waren 20 bis 30 Blätter, entstanden sind innerhalb von elf Monaten deren 115. «Teilchenbeschleuniger» (2013– 2014) geht den Fragen von Raum und Zeit nach, den physikalischen Theorien, der Digitalisierung, der Beschleunigung. «Es ist ein Versuch, das Nichtsichtbare sichtbar zu machen.» Der Berner lächelt, seine blauen Augen blinzeln verschmitzt hinter der Brille hervor. Auch in dieser Arbeit, die in einem zweiten Raum hängt, tritt Ziegelmüllers ganze Virtuosität als Radierer hervor: fein gezeichnete Männergestalten im Nebel, Blitze am pechschwarzen Nachthimmel, Urknall im Kleinformat, mysteriöse Kristalle. Martin Ziegelmüller ist nicht nur für sein druckgrafisches Werk bekannt, sondern auch für seine Ölgemälde und Aquarelle, in denen er seine intensiven Farben mit Landschaften und Städten poetisch verwebt. 

Centre Pasquart Biel BE
Bis 13. 9., Mi–Fr 14–18 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, Tel. 032 322 55 86, www.pasquart.ch, Publikation CHF 52.– 

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