Martina von Meyenburg Witzig und schön verspielt

Der Erinnerung nach: Die Memory-Traced Objects von Martina von Meyenburg sind voller Poesie – mit Schmunzel-Potenzial!
Martina von Meyenburg
© Willy Spiller

«The Dipping Game», 2014 Beim Betrachten dieser Installation taucht das Publikum in eigene Erinnerungen.

An Ketten befestigt hängen fünf Duvets von der Decke herab, ihre äussersten Spitzen sind rot eingefärbt. Rote Flüssigkeit auch in den Eimern am Boden, rote Farbkleckse auf weissem Papier an den Wänden: Martina von Meyenburg, 39, nennt ihre Installation The Dipping Game. In der Tat weisen die Werke der Zürcherin auch immer wieder spielerische Elemente auf.Von Meyenburg stöbert gern in Brockenhäusern. In ihrem Atelier reihen sich Keramikvasen aneinander, stapeln sich Bücher, stehen Besen und Schaufel in der Ecke, Hammer, Uhrengehäuse und dicke Seile in Plastikbehältern. Eines Tages wird die Künstlerin diese Dinge in die Hand nehmen, verformen, zerstückeln, zerbrechen, zersägen und aus ihnen völlig neue Objekte erschaffen. Oder sie wird sie belassen, wie sie sind, und sie in einer neuen Situation inszenieren. «Wenn ich mit den Objekten spiele, gibt es einen Moment, da macht es klick, wie wenn man sich verliebt. Dann weiss ich, ich muss das Werk stehen lassen.» Die Titel der Arbeiten – sie sollen die Betrachter anregen, nicht einengen – sind meist auf Englisch. Nicht nur, weil Martina von Meyenburg am Central Saint Martins College of Art and Design in London studiert hat, sondern «weil Englisch eine spielerische Sprache ist».Neu zeigt Martina von Meyenburg auch Zeichnungen. Es sind filigrane Werke, die meist in Serien von drei oder fünf präsentiert sind. Zu Papier gebrachte Gedanken. «Im vergangenen Jahr musste ich mich zusammenreissen, die Zeichnungen nicht in mein Skizzenbuch zu kleben.» Denn in den Skizzenbüchern – übrigens allesamt Kostbarkeiten mit verborgenen Schätzen – dokumentiert die Künstlerin den Prozess ihrer Arbeiten, denen Marcel Prousts Buch «In Swanns Welt» aus der Reihe «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» zugrunde liegt. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft vereinen sich auch in Martina von Meyenburgs Werken. 

Katz Contemporary Zürich
Bis 16. 8. Di–Fr 11–18, Sa 12–16 Uhr
Tel. 044 212 22 00
3. 7. Panel-Talk mit der Künstlerin, Rolf Sachs & Georg Kohler
Anmeldung: www.katzcontemporary.com

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