Didier Ruef, Engagierte Fotografie Menschen und Abfälle

Der vierte Fotoband des Genfers Didier Ruef handelt von Müll, sichtbarem und unsichtbarem Abfall, aufgezeigt in zwanzig berührenden Reportagen. Mit poetisch-erschreckenden Bildern.
Gigantisch: Alang (Indien): Die Einzelteile der Schiffe werden recycelt und auf dem indischen Markt wiederverkauft.
Gigantisch: Alang (Indien): Die Einzelteile der Schiffe werden recycelt und auf dem indischen Markt wiederverkauft.

Riesige Schiffe, die einst die Weltmeere bereisten, stecken fest im feinen Sandstrand von Alang im Bundesstaat Gujarat in Indien. Sie warten darauf, von einer Armada von Arbeitern in Einzelteile zerlegt zu werden. Dabei kommen die Menschen unweigerlich mit giftigen Chemikalien und anderen schädlichen Stoffen in Berührung. In Manila lebten 1992 über 30 000 Menschen auf Smokey Mountain, einem Müllberg, wo die Ärmsten der Armen als Abfallsammler arbeiteten. Die Deponie sicherte ihnen das Überleben. In Guiyu in China nahmen 2004 rund 100 000 Männer, Frauen und Kinder Computer auseinander ohne Schutz vor austretendem Quecksilber, Blei oder Arsen.

Diese und weitere 17 Reportagen sind in «Recycle», dem vierten Bildband des Fotografen Didier Ruef, 50, zusammengefasst. Die Sorge des Künstlers um unseren Erdball kommt in den teils ästhetischen Bildern unmissverständlich zum Vorschein. Die Dioxin-Katastrophe von Seveso 1976 sowie die Havarie des Öltankers «Amoco Cadiz» zwei Jahre darauf weckten das Umweltbewusstsein des Teenagers. «Ich studierte Wirtschaftswissenschaften und schrieb meine Abschlussarbeit über Abfälle und die wirtschaftlichen Kosten grenzüberschreitender Umweltverschmutzung.» Der Griff zur Kamera erfolgte Ende der 80er-Jahre. Seither reist der Genfer in der ganzen Welt herum. Dokumentiert Armut und Kriegsfolgen. Und die zum Teil irreversiblen Schäden, die der Natur zugeführt wurden und immer noch werden. Didier Ruef sucht den Kontakt zu den Protagonisten seiner Bilder. Geduldig begleitet er sie in ihrem Alltag, oft in einem Dialog ohne Worte. Fotografiert missgebildete Kinder in Kasachstan, Opfer des Bürgerkrieges in Angola, verpestete Felder im ölreichen Aserbaidschan. Er klagt an, setzt mit seinen Fotografien Mahnmale. Unermüdlich.

RECYCLE, Didier Ruef, Edizioni Casagrande, CHF 64.–, Italienisch/Deutsch, www.didierruef.com

 

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