Michel Grillet Universum im Malschälchen

Michel Grillet mag Kleinformatiges. Zeitweise dienen ihm sogar mit Farbe gefüllte Malschälchen als Bildträger. Eine sinnliche Entdeckung.
Michel Grillet Ausstellung im Semina rerum in Zürich

Rundum wohl: Michel Grillet in seinem spartanisch eingerichteten Atelier in Vésenaz (GE).

Das Büro eines Buchhalters sieht kaum anders aus als das Atelier von Michel Grillet, 57, in seinem Haus in Vésenaz GE. Kein Papier liegt herum, keine Farbtöpfe, keine Werkzeuge. In einer Vitrine säuberlich arrangiert ein Buddha, Farbtäfelchen eines Aquarells mit Sternen- oder Bergmotiven darauf, zwei Farbzeichnungen von Gattin Raffaella. Auf dem Tisch Wasser in verschlossenen Behältern sowie Pinsel in zwei Gläsern, die der Genfer noch schnell zurechtzupft, bevor sich der Fotograf ans Werk macht.

Michel Grillet ist ein ordnungsliebender Mensch mit viel Witz, der wenig Platz zum Malen braucht. Seine Werke sind klein, auch wenn er das ganze Universum in sie hineinpackt. Ein Farbtäfelchen eines Aquarells genügt dem sensiblen Konzeptkünstler, um den gigantischen Sternenhimmel oder seine geliebten Berge darzustellen.

«Ich male mit Farbe auf die Farben.» Mit einem dünnen Pinsel bannt er funkelnde Sterne und schneeweisse Berge auf eine dunkle Unterlage, als ob es sich um Papier handeln würde. Ein Miniaturist in bester Schweizer Tradition. «Im Kleinen suche ich das Grosse.» Grillet malt Landschaften und den Himmel. «Meine Arbeit ist immer mit meinem Leben verbunden.» So dienen Kindheitserinnerungen an das Klettern in den Alpen, auf dem Pic Chaussy oder in Zuoz als Referenzpunkte.

Vor 35 Jahren begann der Künstler Berge zu malen, poetisch zarte Aquarelle, meditativ und zerbrechlich. «Wenn ich alle meine Montagnes-Ciel betrachte, weiss ich, wann ich sie gemalt habe, so als ob ich das Logbuch meiner Maltechnik lesen würde.» Zu den Berg motiven ist heuer der Mond dazugestossen, leuchtend, spirituell, erhaben.

Der Mann, der das Fast-Nichts liebt sowie die tausend Nuancen des Blau-Graus, ist seit 1985 Professor für Farbe an der Haute école d’art et de design Genève. Ein Paradox? Nein, denn Konzeptkunst findet bei Michel Grillet eben im Kopf statt.

Semina rerum, Zürich 
Bis 19. 10. Do / Fr 14–18, Sa 13–16 Uhr oder nach Vereinbarung. Tel. 044 251 26 39. 

Auch interessant