«Addio Lugano Bella – Anarchia tra Storia e Arte» Anarchistische Kunstwerke

Zwischen Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich Europa im Umbruch. Eine Kunstausstellung und zahlreiche Dokumente beleuchten jene aufregende Zeit.  
Angelo Morbelli

Harte Arbeit in Pastelltönen: Das eindrückliche Werk «Per ottanta centesimi» des Italieners Angelo Morbelli.

Selten legen Deutschschweizer einen Halt in Mendrisio ein. Höchstens vor oder nach dem Besuch des Shoppingtempels Fox Town. Dabei ist die Innenstadt charmant, und das lokale Museo d’Arte im wunderbaren alten Klosterkomplex der Serviten überrascht nicht selten mit Ausstellungen, die sowohl im Kontext zum Standort als auch kunstgeschichtlich einen hohen Standard aufweisen.

Die laufende Ausstellung «Addio Lugano bella – Anarchia tra storia e arte – Da Bakunin al Monte Verità, da Courbet al dada» hört sich sehr kompliziert an. Und teilweise ist sie es auch. In den letzten Jahrzehnten des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Tessin zum Schmelztiegel und Treffpunkt von Freiheitskämpfern und Revolutionären aus ganz Europa. Ein sicherer Hafen für politisch Verfolgte, eine überaus spannende Schmiede für neue Gesellschaftsformen.

Trotz dem ausgeprägten geschichtlichen Hintergrund ist die Schau mit hochkarätigen Kunstwerken ausgestattet, die entweder vordergründig den Klassenkampf zum Inhalt haben oder deren Urheber sich zu Anarchie und Revolution hingezogen fühlen. Das Thema der unterdrückten Arbeiter greift der Italiener Emilio Longoni mit «L’oratore dello sciopero» (Der Streikredner), 1891, treffend auf. Der Mann, der auf dem Gerüst steht, trägt Arbeitskleidung, seine Hand ist zur Faust geballt, sein ganzer Körper signalisiert Kampfbereitschaft. Anders steht es beim Grossgemälde «Per ottanta centesimi» (Für achtzig Rappen), 1895, von Angelo Morbelli: Angeprangert wird hier in einem wunderschönen Tableau die harte und mühsame Arbeit der Reisanbauerinnen für eine läppische Entlohnung.

Unter den über hundert Werken der Ausstellung befinden sich auch Arbeiten von Courbet, Signac, Seurat, Pissarro, Vallotton, Steinlen, Kupka oder Kollwitz. Ebenfalls bemerkenswert ist die grosse Anzahl an Karikaturen.

Museo d’arte Mendrisio TI
Bis 5. 6. Di–Fr 10–12/14–17, Sa/So 10–18 Uhr, Tel. 058 688 33 50, www.mendrisio.ch/museo, Katalog CHF 40.–

 
 
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