Peter Gysi im Kunsthaus Grenchen Mut zur Lücke

Das Gesamtwerk des Burgdorfer Künstlers PETER GYSI ist nun in einer grossen Werkschau im Kunsthaus Grenchen zu sehen.
Durchblick: Peter Gysi hinter «Constantin», seiner Hommage an den rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi.
© Willy Spiller Durchblick: Peter Gysi hinter «Constantin», seiner Hommage an den rumänischen Bildhauer Constantin Brancusi.

Ob Metall, Papier, Glas, Stein, Plastik oder Draht, die Materialien, aus denen Peter Gysi, 58, seine Werke schafft, könnten nicht unterschiedlicher sein. Was sie verbindet, ist Gysis Vorliebe für geometrische Formen. Der Künstler zieht Linien, stanzt Kreise, setzt Punkte, legt gerade Winkel, baut schiefe Ebenen. Sein spielerischer Umgang mit Material, Raum und Fläche zeigt sich gleich zu Beginn der aktuellen Schau im Kunsthaus Grenchen. In «Schichtung 1» liegen 58 Metallringe übereinander. Wie bei einem Baum steht jeder Ring für eines von Peter Gysis Lebensjahren. Was das Loch in der Mitte symbolisiert, überlässt der Künstler der Fantasie des Betrachters. Seine Arbeiten leben (auch) vom Zwischenraum: «Die Leere ist ebenso wichtig wie das Materielle.» Besonders deutlich wird dieser Ansatz in der Arbeit «Licht».

An der Wand reihen sich 21 – vermeintlich – leere Postkartenhalter aneinander. Der Boden darunter ist von Glasscherben übersät: Es sind die Überreste der aus den Haltern herausgefallenen Glasplatten. Erst auf den zweiten Blick entdeckt man in der Lücke, die das Glas hinterlassen hat, das Wort Licht. Weniger metaphysisch: seine vielteiligen Metallarbeiten, die er, Bausätzen gleich, immer wieder neu zusammensetzt. Mal legt er die Platten aufeinander, mal bildet er damit eine Spirale. «Die Ästhetik des Provisorischen gefällt mir.» Das gilt auch für «Hütten, Häuser und Paläste». Hunderte Postkarten liegen akkurat neben und übereinander in einem Holzgestell. Der leidenschaftliche Sammler von Ansichtskarten (60 000 Stück sollen es sein) baut die Arbeit laufend aus.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Zeichnungen. Beherrscht von schwarz-weissen Linien, Kreisen und ausgesparten Stellen wirken sie wie Bildstörungen, Schaltkreise oder Entwürfe für Stoffdesign. Das letzte Werk der Schau, «Lied», ist zugleich das mit der meisten Poesie. Durch das Hinzufügen von Notenlinien wirkt die Sternenkarte wie die Partitur einer Himmelsmelodie. 

Kunsthaus Grenchen, SO
Bis 12. 5., Mi–Sa 14–17, So 11–17 Uhr, Tel. 032 652 50 22,
www.kunsthausgrenchen.ch

 

 

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