Niklaus Rüegg bei Bob Gysin Dekonstruktion und Wiederaufbau

Niklaus Rüegg zeigt in Zürich neuere Arbeiten. Sie bestechen durch kraftvolle Farben und eigenwillige Raumgestaltung.
Installation aus Holz Pappe und Eisen von Niklaus Rüegg
© Willy Spiller

«Oblomow» 2014, eigenwillige Installation aus Holz Pappe und Eisen von Niklaus Rüegg. 

Holz, Pappe und Eisen – im schlichten Raum der Galerie nimmt «Oblomow» einen gewichtigen Platz ein. Die Stufen dieses kuriosen Objektes führen hinauf zu einem Schaukasten. Dort angekommen guckt man interessiert – und etwas zögernd – durch ein schwarzes Loch. Und siehe da, am Ende des Tunnels ist Farbe. Das Loch ist hier physisch vorhanden, anders als im zweidimensionalen Diptychon im Kellerabgang, das ebenfalls zu dieser Arbeit gehört. «Oblomow» steht übrigens als literarische Referenz zu Iwan Gontscharows gleichnamigem Roman von 1859, dessen Protagonist sich dem Müssiggang verschrieben hat.

Niklaus Rüegg, 36, zeigt neben dieser Installation 20 neuere Werke, die sich im weitesten Sinne mit dem Comic beschäftigen. Bereits als Neunjähriger entdeckte der Zürcher die Donald-Duck-Geschichten des Zeichners Carl Barks (1901–2000), des Erfinders von Entenhausen und Autors von über 3000 Seiten Comic-Strips. Niklaus Rüegg begann die Seiten minutiös nachzumalen. Mit der Zeit entfernte er aus dem Bild Sprechblasen, liess Gestalten weg, bis nur der leere Raum übrig blieb, den er neu definierte und gewichtete. «Mich interessiert die Leere.» Und fügt hinzu: «Da mein Erinnerungsvermögen sehr schlecht ist, erinnere ich mich am besten an Räume.» Sagts und lacht verlegen.

Niklaus Rüegg arbeitet in Zyklen. Akribisch zeichnet der Künstler mit Gouache und schwarzer Tusche seine grossformatigen «Voids» – in der Astronomie steht der Begriff für die riesigen Leerräume zwischen den Strukturen des Universums –, die er meist als Diptycha zeigt (links, unteres Bild). In weiteren Arbeiten geht Rüegg einen Schritt weiter: Er zerschneidet den entleerten Hintergrund und konstruiert diesen neu. Dabei entstehen abstrakte Räume mit einer anderen Aussage. Der Dekonstruktion der einen Geschichte folgt der Wiederaufbau einer anderen. Donald Duck ist und bleibt Referenz für den Künstler, der sich nie an Tim & Struppi «ranmachen» würde.

Ebenso fasziniert wie von Donald Duck ist Niklaus Rüegg vom Objekt Buch. Beinahe magisch ist seine neue Publikation «Hobby und Wahrheit», eine Fundgrube an Skizzen, Fotografien, Comic-Passagen und Zeitungsausschnitten. Ein Leckerbissen.

Galerie Bob Gysin Zürich
Bis 17. 5. Di–Fr 13–18, Sa 12–16 Uhr
Tel. 044 278 40 60, www.gbg-galerie.ch
Publikation CHF 38.–

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