Nives Widauer Spiel mit Zeit und Raum

Zwei Ausstellungen in Zürich zeigen neuen Arbeiten von Nives Widauer. In Fotografien, Papierarbeiten und Installationen verbindet die Baslerin gekonnt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Nives Widauer
© Raja Läubli

Offen und neugierig. Nives Widauer, 49, vor ihrem Objekt «Trough your eyes only» in der Zürcher Galerie Semina Rerum.

Die Linse einer in Bronze gegossenen Super-8-Kamera richtet sich auf eine anmutige chinesische Grabbeigabe aus dem 15. Jahrhundert – «Trough your eyes only» steht sprichwörtlich für das vielfältige Werk von Nives Widauer, 49. Die in Wien lebende Baslerin erforscht in ihren Arbeiten verschiedene Welten. Leichtfüssig bewegt sie sich zwischen den Sparten Performance, Video, Zeichnung, Bühne, Fotografie und Installation. Dabei greift sie häufig etwas Bestehendes auf und wandelt es um. Sie charakterisiert ihre Arbeit so: «Sehen, wahrnehmen, den Blick schärfen und in etwas transformieren, das andere auch sehen können.» Ein Beispiel: Nach einem rauschenden Fest geht Nives Widauer zu Bett und lässt den Rock am Boden liegen. Am folgenden Morgen fotografiert sie das hübsche «Stillleben». Jahre später nimmt sie das Bild wieder hervor und bearbeitet es. Die Serie «doubleskirts» entsteht (Bild).

Auf ihren Streifzügen durch Flohmärkte und Brockenhäuser sucht die Künstlerin nach Objekten, die sie für ihre Interventionen benötigt. «Manchmal schlummern die Fundstücke jahrelang in meinem Archiv, bis ihre Zeit gekommen ist.» Wie bei der Serie «Past patterns III». Ausgehend von Zeichnungsstudien eines Bildhauers, der im 19. Jahrhundert die Idealmasse der Schönheit von Menschen untersucht hatte, fügte sie ihre «eigene Ordnung» mit Aquarell dazu. Auf einem Blatt mit reihenweise Kopfstudien trug sie jeweils beim Gehirn einen Tupfen Farbe auf und liess ihn fliessen. Der Tropfen zieht eine direkte Verbindung mit dem Kopf darunter, die Farben vermischen sich und fliessen schliesslich übers Blatt hinaus. Eine humorvolle Visualisierung der gedanklichen Verbundenheit zwischen Menschen und ein «Symbol für die Vergänglichkeit von Leben und Zeit».

Galerie Semina Rerum Zürich
Bis 18. 10., Do/Fr 14–18 Uhr, Sa 13–16 Uhr
Tel. 044 251 26 39, www.seminarerum.ch

Rietberg Museum Zürich
Bis 9. 11., Di–So 10–17 Uhr, Mi 10–20 Uhr
www.rietberg.ch

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