Olga Titus Keine Angst vor Kitsch

Als kulturelle Grenzgängerin lotet Olga Titus verspielt und leichtfüssig die Ränder des Begriffs Heimat aus. Jetzt zeigt sie ihre Werke in der Galerie von Stephan Witschi.
Olga Titus - Ausstellung in der Galerie Stephan Witschi in Zürich
© Roger Hofstetter

Fröhliches Sammelsurium: Olga Titus, 36, in ihrem Hinterhofatelier in Winterthur.

Beim Betreten des Hinterhofateliers ist auf einen Blick klar: Wer hier arbeitet, hat eine Vorliebe für kitschig-fröhlich-bunten Krimskrams. Fenstersims, Regale, Tische, Kisten, alles ist vollgestellt mit farbenfrohen Kuriositäten aus aller Welt. Olga Titus trägt sie auf ihren regelmässigen Streifzügen durch Flohmärkte und Brockenhäuser zusammen und schafft sich damit einen Fundus, aus dem sie ihre künstlerischen Impulse schöpft. Der verspielte Nippes verkörpert Wünsche, Sehnsüchte und Erinnerungen verschiedener Kulturen – etwas, das die Künstlerin als Tochter einer Schweizerin und eines indischstämmigen Malayen selbst in sich trägt. Begriffe wie Klischee, Heimat und Fremdheit durchziehen ihre Arbeiten, die von Bildern und Objekten über Installationen bis zu Videos reichen. In der aktuellen Schau sind Bildcollagen, Fotografien und Objekte zu sehen. Zur Appropriation-Art gehören die historischen Porträts, die sie auf Ebay ersteigert, auf dem Flohmarkt findet oder auch mal geschenkt bekommt. Indem sie einen feinen Schleier aus farbigen Fäden drüberspinnt oder mit Klebstreifen indonesische Webmuster in Biedermeierkleider setzt, gibt Olga Titus den alten Gemälden eine neue Aussage und den Personen ein zweites Gesicht. «Ich frage mich manchmal, was die Porträtierten wohl darüber denken würden.»

Die Fotoserie «Art Olympics» ist während eines Aufenthaltes im indischen Varanasi entstanden. «Hier geht es um Ideale, an denen sich diese Gesellschaft stark orientiert.» Olga Titus schlüpft dabei in unterschiedlichste Rollen, trägt indische Schuluniform, Atelierkleidung einer Künstlerkollegin oder die Uniform einer Hochzeitskapelle. Die Figuren stehen vor digitalen Hintergründen, die indische Fotostudios verwenden. Ein subtiler Clash der Kulturen auch hier: Auf einigen Bildern finden sich Anspielungen an historische Gemälde von Caspar David Friedrich oder Claude Monet. 

Galerie Stephan Witschi, Zürich
Bis 19. 10., Mi-Fr 14–18, Sa 13–17 Uhr
Tel. 044 242 37 27

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