Bronzekunst aus Indien im Museum Rietberg Parade der Götter

Mächtige Gottheiten, Reiter – zu Fuss, zu Pferd und auf Elefantenrücken: Ein prachtvoller Festzug von Bronzeobjekten gibt einen faszinierenden Einblick in die unbekannte Kultur Mittelindiens.
Kunsthandwerk auf höchstem Niveau: Bronzefiguren, 5 bis 50 Zentimeter gross.
© Muesum Rietberg Kunsthandwerk auf höchstem Niveau: Bronzefiguren, 5 bis 50 Zentimeter gross.

Auf einer Holzplattform in der Mitte des Saales zeigt sich ein imposantes Bild: 300 Figuren aus Bronze sind zu einem Festumzug zusammengefügt worden. Es sind mehrheitlich Gottheiten und Gottestänzer. Stilisierte Figuren – unterwegs zu Fuss, hoch zu Ross oder auf Elefantenrücken. Sie tragen Schwerter oder Schalen, manchmal auch ein Gewehr. Die Tiere haben zum Teil bizarre Formen und stimmen proportional mit dem Reiter nicht immer überein. Dafür sind sie exquisit verarbeitet und tragen feinste Verzierungen.

Während die Pferde Kraft und Eleganz ausstrahlen, wirken die Elefanten verspielt. Am berührendsten sind jene, die Götter auf ihrem Rücken tragen: ein kleiner Aufbau, meist mit einer kunstvollen Überdachung – und die Schaukel mit der Gottheit. «Nicht nur Könige, sondern auch Götter schaukeln gerne» ist auf einer der Info-Tafeln zu lesen. Dank dreier Schenkungen neuesten Datums verfügt das Museum Rietberg mit mehr als 500 Objekten über eine der europaweit schönsten Sammlungen an Bronzen aus Mittelindien.

Die in der Ausstellung gezeigten Metallfiguren sind typisch für die Region Bastar (Bundesstaat Chhattisgarh). Die Objekte dienten nicht der Zierde, sondern rituellen Zwecken von Stämmen, die nicht zu einer der grossen Religionen wie dem Hinduismus, Jainismus oder dem Islam gehören. Diese Stammesbronzen der Adivasi, wie die ersten Bewohner der Region hiessen, sind von der Kunstwissenschaft stiefmütterlich behandelt worden und werden eher dem Kunsthandwerk zugeordnet. Zu Unrecht. Die Schau begleiten zwei spannende Filme. Der eine zeigt die Erschaffung einer Bronzefigur, der andere einen Festzug mit Sirhas (in Trance fallende Medien bestimmter Gottheiten), wie das jährliche Mandei-Fest in Bastar. KATI MOSER

MUSEUM RIETBERG Zürich.
Bis 11. 11. Di, Fr–So 10–17, Mi/Do 10–20 Uhr, Tel. 044 - 206 31 31
www.rietberg.ch, Katalog CHF 44.–

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