Tanz und Videokunst Poesie für die Augen

Die Bernerin Anna Huber und Yves Netzhammer aus Zürich zeigen in ihrem Stück «Aufräumarbeiten im Wasserfall», wie sich Tanz und Videokunst gegenseitig befruchten können.
Was man im Leben nicht alles mit sich herumschleppt: Anna Huber in Aktion.
Was man im Leben nicht alles mit sich herumschleppt: Anna Huber in Aktion.

Er sitzt meist im Atelier vor seinem Computer, gestaltet Installationen, schneidet Videos. In Bewegung sind nur die Hände – und seine Gedanken. Sie arbeitet in grossen Hallen oder verspiegelten Sälen. Oft ist das einzige Requisit ihr eigener Körper. Ständig pendelnd zwischen Anspannung und Loslassen, scheinen ihrer Beweglichkeit wenig Grenzen gesetzt. Er heisst Yves Netzhammer und ist Computerkünstler in Zürich, sie ist die Tänzerin und Choreografin Anna Huber aus Bern.

Sie bewegen sich in verschiedenen Sprach- und Bilderwelten, doch die Fragen, die sie umtreiben, sind verwandt: das Innen- und Aussenleben des Individuums, die Einsamkeit, die Fragilität unserer Existenz, die Hinterfragung von Sicherheit und Wirklichkeit. «Aufräumarbeiten im Wasserfall» heisst die erste Zusammenarbeit der beiden Künstler, die vor einem Jahr an den Zeitgenössischen Schweizer Tanztagen uraufgeführt wurde. Nun kommt das ungewöhnliche Projekt erneut auf die Bühne, in einer verfeinerten Fassung. «Ein atmosphärisches Spiegeln des anderen in der eigenen Arbeit», sagt Yves Netzhammer.

Auf dem Bühnenboden ein Geflecht aus fragilen Holzstäben. Ein Stuhl und farbige Ballone, die, an einem Zahnbürstchen, einem Schwamm, einem angebissenen Apfel befestigt, knapp auf dem Boden (der Realität) gehalten werden. Dazwischen bewegt sich Anna Huber, kriechend, hüpfend, vorsichtig oder neugierig durch die kleinen Quadrate. Im Hintergrund winkt eine gesichtslose Computerfigur – eine aufwallende Erinnerung, eine verlorene Liebe? Klar ist, es geht um die Suche nach Geborgenheit und Nähe, ansonsten wird dem Publikum viel Platz für Assoziationen gewährt. So auch beim Titel des Stücks, über den Anna Huber sagt: «Erklären kann man den nicht, aber er macht neugierig.» Das lässt sich auch über das Stück sagen.

Dampfzentrale, Bern am 2./3./4. 3., «Aufräumarbeiten im Wasserfall», www.dampfzentrale.ch 

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