Im Kino Poesie, Rebellion und viel blauer Dunst

Serge Gainsbourg (F/USA) In packenden Bildern erzählt Regisseur Joann Sfar das Leben des grossen französischen Sängers Serge Gainsbourg.
Eine grosse Liebe Serge Gainsbourg (Eric Elmosnino)  und  Brigitte Bardot (Laetitia Casta).
Eine grosse Liebe Serge Gainsbourg (Eric Elmosnino) und Brigitte Bardot (Laetitia Casta).

Eins muss man vorwegnehmen: Der Film ist nichts für (angehende) Nichtraucher, denn Serge Gainsbourg (1928–1991), wunderbar gespielt von Eric Elmosnino, raucht. Immer und überall. Und auf eine so faszinierendexzentrisch- nonchalante Art, dass es schon Kult ist. Früh übt sich, wer ein Meister werden will. So hat der Sänger seine ersten Zigaretten bereits im zarten Alter von zwölf Jahren geraucht. Fabelhaft wird übrigens der junge Serge vom Schweizer Kacey Mottet Klein gespielt, der 2009 den Schweizer Filmpreis als bestes Nachwuchstalent («Home») bekam.

«Gainsbourg» ist ein biografischer Film, ohne dass er sich haargenau an die Wahrheit hält. Regisseur Joann Sfar, ein begnadeter Comic-Zeichner, hat Serge Gainsbourg einen Doppelgänger zur Seite gestellt: eine überlebensgrosse cartoonhafte Figur, die er «Die Visage» nennt. Dieses Alter Ego erscheint meist dann, wenn Gainsbourg an sich zweifelt oder sich überschätzt. Ein geistreicher Regie-Einfall! Sfar liess auch Eric Elmosnino abspecken. «Er hörte auf zu trinken», erinnert sich der Regisseur, «und hüllte sich in nikotinblauen Dunst, er, der aufgehört hatte zu rauchen.»

Serge Gainsbourg war nicht nur ein erfolgreicher Sänger. Der Franzose war auch ein Provokateur, ein Rebell, ein Verführer. Obwohl er sich für hässlich hielt, lagen ihm die schönsten Frauen zu Füssen. Mit Brigitte Bardot (Laetitia Casta) hatte er eine heisse Affäre, Jane Birkin wurde seine Frau (gespielt von Lucy Gordon, die sich 2009 das Leben nahm). Im Duett mit Jane landete er 1969 mit «Je t’aime … moi non plus» einen Hit, der im Nu auch die amerikanischen Charts eroberte. Ein Skandalsong, der von der BBC nicht gesendet und vom Vatikan zeitweise verboten wurde. Der aber den Zeitgeist der ausgehenden 60er-Jahre präzise traf.


 


  

Der Film ist packend weil …

  • … er Einblick in das Leben dieser grossen französischen Legenden gewährt.
  • … man hautnah miterlebt, wie ein Genie sich selber zugrunde richtet.
  • … dank den schauspielerischen Leistungen der Film so authentisch wirkt.

Länge: 130 Min., Regie: Joann Sfar, D: E. Elmosnino, L. Casta, L. Gordon. Start: 22. 4.

Auch interessant