TONY CRAGG, BILDHAUER UND ZEICHNER Rätselhafte Wesen

Amorphe Formen, ungewöhnliche Porträts, überraschende Materialien: In der schönen Villa Ciani in Lugano sind Arbeiten des in Deutschland lebenden Engländers Tony Cragg zu sehen.
Grenzenlose Kreativität des mehrfach ausgezeichneten Künstlers. «Minster», 1992.
Grenzenlose Kreativität des mehrfach ausgezeichneten Künstlers. «Minster», 1992.

Auf den ersten Blick erinnern die filigranen Türme an Aufsätze auf Pagodendächern. Sie sind jedoch sehr bunt und bestehen aus gebrauchten Industriematerialien («Minster», oben links). Noch farbiger ist der rennende Mann, ein moderner Harlekin auf weissem Hintergrund. Seine Gestalt ist ausgelegt mit Fragmenten von Plastikobjekten und kleinen Spielzeugen («Runner»). Zwei Beispiele aus vierzig Objekten und Skulpturen, die in Lugano das Werk von Tony Cragg, 63, beleuchten.

Der Engländer, der seit 1977 in Wuppertal (D) lebt und nach einer Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf heute das gleiche Amt an der Universität der Künste in Berlin ausübt, gehört zu den bedeutendsten Künstlern unserer Zeit. Die Ausstellung soll keine Retrospektive sein, betont Tony Cragg. Vielmehr ein Innehalten und Zurückschauen. Der Rahmen für die teilweise riesigen Werke könnte nicht schöner sein. Einige Grossskulpturen wurden im idyllischen Park aufgestellt, andere in den neoklassizistischen Sälen der Villa Ciani, wo sie einen spannenden Kontrast zu den eleganten Räumlichkeiten abgeben.

Der grossformatige «Runner» empfängt den Besucher und gibt einiges über die Arbeitsweise des international erfolgreichen Bildhauers preis. «Es hat keinen Sinn, zu kopieren, was bereits vorhanden ist», sagt Tony Cragg in einem Filmporträt von Anne Linsel. So schafft er unbekannte Wesen, amorphe Formen, organisch anmutende Plastiken aus Kunststoff, Holz, Glas oder Bronze. «Secretions» (Mitte oben) ist mit Hunderten von Würfeln übersät, «Group» (Mitte) stellt menschliche Antlitze dar, die je nach Blickwinkel wechseln. Den Plastiken werden in der Schau hundert Zeichnungen und Grafiken gegenübergestellt. Für den Betrachter sind sie nebst ihrer hohen Qualität willkommene Ergänzungen zu den oft überraschenden Werken. 

VILLA CIANI Lugano TI.
Bis 12. 8. Di–So 10–18, Do 10–21 Uhr,
Tel. 058 - 866 72 14,
Katalog CHF 30.–,
www.mda.lugano.ch

 

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