Rolf Winnewisser in Grenchen SO Magie des Bedruckten

Die Druckgrafik spielt in Rolf Winnewissers Werk eine bedeutende Rolle. Die Rückschau in Grenchen bringt es auf den Punkt.
Rolf Winnewisser
© Raja Läubli

Rolf Winnewisser bedruckt nicht nur Papier, sondern auch Stoffe.

Rolf Winnewisser malt, zeichnet, fotografiert, filmt, erstellt Objekte, schreibt und macht Druckgrafik. Was den gebürtigen Solothurner antreibt, ist die Auseinandersetzung mit der menschlichen Wahrnehmung: der Konstruiertheit, Ausschnitthaftigkeit und Flüchtigkeit. Die Ausstellung «Das Druckwerk 1966–2014» ist chronologisch angelegt und vermittelt einen spannenden Einblick in das vielschichtige Schaffen des Künstlers. Rolf Winnewisser, 65, gelernter Grafiker, beginnt Mitte der 60er-Jahre sich mit der Druckgrafik zu beschäftigen. Es entsteht sein erster Holzschnitt, «Pilatus», gefolgt von Licht- und Offsetdruck-Editionen. Doch das Hauptmedium wird ab 1977 der Linolschnitt, später kommt noch die Radierung hinzu. «Wie kann ich im Bild unterwegs sein?», fragt sich der Künstler. Wie viel kann man weglassen, wann muss man innehalten? Das Ausloten der Kippmomente gewinnt für Rolf Winnewisser immer mehr an Bedeutung. Dieser Kampf ist wunderbar nachvollziehbar im fünfteiligen Linolschnitt «Eins von fünf» aus dem Jahr 1996 (rechts, 3. Bild von oben): Nach dem ersten Druck wird die Linolplatte weiter bearbeitet. Es folgt der zweite Druck, die nächste Bearbeitung der Platte, der dritte Druck. Je mehr man das Linol herauslöst, umso mehr fliessen die Motive ineinander, umso komplexer wird das Bild.

Rolf Winnewisser arbeitet mit Referenzen, die immer wieder in seinem grafischen Werk auftauchen: ein weisender Zeigefinger, ein Auge, ein Mann im Bild, Worte, Buchstaben. Zeichen, die mittels Stempeln – die der Künstler auf Flohmärkten findet oder machen lässt – ins Bild gebracht werden. Seine letzte für die Ausstellung entstandene Arbeit, besteht aus 184 gleichformatigen Linoldrucken, gewonnen durch das Auseinanderreissen von alten Aquarellen, welche mit Linolplatten bedruckt wurden. Unikate, die zu einer grossartigen neuen Einheit zusammengefunden haben. 

Kunsthaus Grenchen SO
Mi–Sa 14–17, So 11–17 Uhr
24.–26. 12. und 31. 12. 2014–2. 1. 2015 geschlossen
Am 5. 12. liest Rolf Winnewisser aus seinen Texten
Tel. 032 652 50 22, www.kunsthausgrenchen.ch

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