Roman Signer in St. Gallen Am Anfang war der Knall

Der Appenzeller Roman Signer gehört zu den beliebtesten Schweizer Künstlern. Im Kunstmuseum St. Gallen zeigt der Sprengmeister neue Arbeiten.
Roman Signer in St. Gallen
© Heiner H. Schmitt

Roman Signer in seiner aktuellen Austellung in St. Gallen. 

Schon auf der Treppe zum Foyer steht die Welt beinahe kopf. Ein petrolblauer Piaggio streckt die Räder in die Luft, die Fahrerkabine schaut Richtung Decke. Drin sitzt, mit Helm bestückt und in Startposition wie ein Kosmonaut, Roman Signer, 75. Dann beginnt der Countdown … Diese Videoarbeit mit dem Titel «Start» eröffnet sinnigerweise die neue Schau des Appenzeller Sprengmeisters im Kunstmuseum St. Gallen.

Die meisten der 18 Installationen hat der Künstler für diese Ausstellung geschaffen. Wie «Sessel mit Loch». Ein präzises, rundes Loch klafft in einem gelben Fauteuil. Durch dieses hindurch wird das Video von der Sprengung an die Wand projiziert. Entstehungsprozess und Ist-Zustand durchdringen und vereinen sich – der Zeitbegriff löst sich auf. «Sprengen ist nicht nur Zerstörung», betont der Künstler. «Es kann auch Dinge zusammenbringen.»

Die Schmauchspuren der Feuerwerkskörper am «Haus mit Raketen» erinnern von Weitem absurderweise an geschlossene (!) Regenschirme. Das ausgestellte Modell hob nicht ab, deshalb ist es noch heil. Das nachfolgende wurde über hundert Meter durch die Luft katapultiert. Roman Signer lächelt zufrieden, als er davon erzählt.

Ein echter Aufsteller befindet sich im nächsten Raum: Zehn Stühle liegen auf einer Folie, die sich langsam mit Luft füllt. Wies weitergeht, wird hier nicht verraten. Das kontemplativste Werk dieser Schau befindet sich im Sousol. Aus einer Höhe von 30 Metern fällt eine mit Farbe gefüllte Holzkugel zu Boden. Die Kugel zerplatzt und die tiefblauen Farbpigmente segeln dank einer Highspeed-Kamera mit 800 Bildern pro Sekunde in beinah zähflüssiger Langsamkeit auf den Betrachter zu. So explosiv seine Mittel sind, mit denen Roman Signer gängige Normen und Sehgewohnheiten in die Luft sprengt, die Gedanken, die einem beim Betrachten seiner oft hintersinnigen Werke durch den Kopf schiessen, richten sich nach innen.

Kunstmuseum St. Gallen
Bis 26. 10., Di–So 10–17, Mi 10–20 Uhr
Tel. 071 242 06 71, www.kunstmuseumsg.ch

 
 
Auch interessant