Rudy Burckhardt: Forogafien und Filme 1932-1959 Ungewöhnliche Blickwinkel

In New York schrieb der Basler Rudy Burckhardt Fotogeschichte. Die Fotostiftung Winterthur zeigt nun, womit. Und weshalb.
Little Rock von Rudy Burckhardt
© The Estate of Rudy Burckhardt

Die Kunst im Augenblick. «Little Rock», Arkansas, 1948 von Rudy Burckhardt.

New York in den 1930er-Jahren boomt. Die Stadt der weltweit grössten Wolkenkratzer Empire State Building und Chrysler ist ein Schmelztiegel der Kulturen und zieht Kunstschaffende aus aller Welt magnetisch an. Auch der Basler Rudy Burckhardt (1914–1999) ist mit 21 Jahren seinem blaublütigen Elternhaus entflohen und lässt sich 1935 für immer im Big Apple nieder. Dass der Sohn aus gutem Haus lange kein Geld mit seinen Arbeiten verdienen muss, widerspiegelt sich in den ausgewählten Motiven. Denn anstatt wie nahe liegend die moderne Architektur, die imposanten Häuserschluchten, das pulsierende Grossstadtleben abzubilden, fotografiert und filmt er Strassenszenen der ungewöhnlichen Sorte. Fasziniert von den extremen Grössenverhältnissen zwischen Passanten und Wolkenkratzern richtet der junge Basler seinen Blick nach unten. Auf Hydranten, Frauenbeine, Schatten auf dem Asphalt oder Gebäudedetails entlang der Trottoirs. Damit ist kein Geld zu machen, das liegt auf der Hand. Doch Rudy Burckhardt, der nie eine formale fotografische Ausbildung genossen hat, sucht nach etwas anderem. Nach Einfachheit und formaler Strenge, nach kontrastierenden Perspektiven unter Einbezug des Zufalls und Ausschluss eines Horizonts. Diese ungewöhnliche Kombination führt zu einer modernen Bildsprache, die der damaligen Zeit weit voraus war.

Erst 1948 entstehen Architekturbilder vom Times Square, dem Flatiron und Times Building, die zu Ikonen werden. In «An Afternoon in Astoria», einem Fotoalbum mit Aufnahmen aus Queens, zeigt Burckhardt öde, von verlotterten Tankstellen und mit Hütten und Zäunen verstellte Brachen. Sein Ausflug in die Malerei war glücklos. Aus der Zeit, in der er Anfang der 1950er-Jahren an der Kunstakademie in Neapel studiert, bleiben wunderbare Fotografien von engen Gässchen mit spielenden Kindern. Seinen Blick für malerische Kompositionen setzt Rudy Burckhardt besser mit der Kamera um.

Fotostiftung Winterthur ZH
Bis 15. 2. 2015, Di–So 11–18 Uhr, Mi 11–20 Uhr
Tel. 052 234 10 30, Publikation CHF 30.–
www.fotostiftung.ch

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