Marlis Spielmann Schere, Geduld, Papier

Marlis Spielmann hat sich der textilen Kunst und dem Papier verschrieben. Die Thalwilerin zeigt nun neue SCHERENSCHNITTE.
Inmitten von Kunst: Marlis Spielmann an ihrem Esstisch, der ihr zurzeit als Atelier dient.
Inmitten von Kunst: Marlis Spielmann an ihrem Esstisch, der ihr zurzeit als Atelier dient.

Pinzette, Papier, eine hochpräzise Augenchirurgie-Schere und eine ruhige Hand, das sind Marlis Spielmanns wichtigste Arbeitsinstrumente. Damit schafft die am Zürisee wohnende Ostschweizerin ihre teils witzigen, teils eigenwilligen Scherenschnitte. Ob nackte Tänzerinnen, verschleierte Frauen, Eiskunstläuferinnen oder tanzende Mädchen, immer sind sie dem Scherenschnitt verpflichtet, der axialsymmetrisch gefaltet und geschnitten wird und deshalb sternförmig angeordnet ist. Ihre Einzigartigkeit erhalten die sich wiederholenden Figuren durch die individuelle Bemalung mit Acrylfarben. So traditionell die Technik, so aktuell ihre Themen. Die 59-jährige Künstlerin interessiert sich für Genderfragen. Die Rolle der Frau in Gesellschaft und Religion, den Geschlechterkampf und die Spielarten der Zuneigung will sie mit ihren Werken beleuchten.

Vor acht Jahren besuchte Marlis Spielmann eine grosse Hodler-Schau im Zürcher Kunsthaus. «Die kreisförmigen Wolkenanordnungen seiner Landschaftsbilder zogen mich sofort in ihren Bann. Sie waren es auch, die mich auf die Idee brachten, mich mit dem Scherenschnitt auseinanderzusetzen.» Bei traditionellen Scherenschnitt-Künsterlinnen, etwa bei Susanne Schläpfer, liess sie sich in die Geheimnisse des Kunsthandwerks einführen. Es war nicht ihre erste «Weiterbildung», um eine neue Technik in ihre Kunst einfliessen lassen zu können. Marlis Spielmann besuchte auch schon einen Tierpräparator-Kurs. Daraus gingen ausgestopfte Labormäuse hervor, denen sie winzige Pullöverchen strickt. Die angezogene Maus hängt sie dann in einem Bilderrahmen an die Wand. «Ich versuche ihnen dadurch einen zweiten, würdevolleren Auftritt zu ermöglichen», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Überhaupt, skurriler Humor ist allen Werken der Künstlerin eigen. Ob bei den mit gehäkelten Paaren beklebten Wandtellern (Bild). Oder bei «Living next door», wo sie ihre Nachbarn mittels Nähmaschinenstichen porträtierte. Und zwar so, wie sich Marlis Spielmann diese als Kinder vorstellte. Die aktuelle Schau zeigt Scherenschnitte und Acrylbilder.

 

Alex’s Art Galerie, Klosters GR
Bis 5. 2., Mo–Sa 16–18.30 Uhr,
Tel. 081 422 36 37,
www.alexartgalerie.ch

 

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