Bettina Oberli und Stéphane Kuthy Schweizer Dream-Team

Bettina Oberli kommt nach ihrer Erfolgskomödie «Die Herbstzeitlosen» mit einem neuen Film in die Kinos: «Tannöd». Kameramann ist wieder Ehemann Stéphane Kuthy.

Für den Fototermin mussten Bettina Oberli, 37, und Stéphane Kuthy, 41, mit dem lichten Zürcher Dolderwald vorliebnehmen. Der mysteriöse Tannenwald aus ihrem neuesten Film «Tannöd» liegt in Nordrhein-Westfalen, mehrere hundert Kilometer von der Schweiz entfernt.

Bettina Oberli wirkt gelassen. Der Film ist im Kasten, in wenigen Tagen feiert er Premiere. Jetzt muss er seinen Weg alleine finden. Zwei Jahre Intensivarbeit liegen hinter ihr, mit Regie und Post­produktion. Und jetzt? Mal so richtig ausspannen? Die Regisseurin lächelt sibyllinisch. «Ich arbeite bereits an einem neuen Stoff. Stephanie Glaser, die Heldin aus ‹Die Herbstzeitlosen›, wird die Hauptfigur spielen. Aber diesmal ist sie eine Böse!»

Wieder dabei auch Stéphane Kuthy. Sie lernten sich vor zehn Jahren kennen. Die angehende Regisseurin fragte damals den smarten Kameramann, ob er ihren Diplomfilm «Supernova» drehen würde. «Er sagte zum Glück Ja!»

In­zwischen sind sie verheiratet, haben zwei Kinder (Léon, 6, Aurel, 3) und lieben sich immer noch wie damals. Dass man Arbeit und Privates nicht gut trennen kann, weiss das Paar genau: «Da wir unseren Job lieben, ist es aber halb so schlimm», meint Kuthy, der nicht ausschliesslich für seine Frau hinter der Kamera steht. «Wir leiden nicht darunter, im Gegenteil. Wir schweigen uns eigentlich nie an, denn wir haben uns immer was zu sagen. Wenn nicht über die Kinder, dann über den Film», doppelt Oberli lachend nach.

Die Kinder nimmt das Paar, sooft es geht, mit. Bei den Dreharbeiten zu «Tannöd» waren sie auch dabei. Wenns mal eng wird, springen die Grosseltern und auch mal Freunde ein. Jetzt, wo Léon in die Schule geht, wird es ein bisschen schwieriger werden. «Wir sind sehr viel auch zu viert zusammen. Manchmal wochenlang. Das sind die Privilegien von uns Freischaffenden. Ich hatte auch das Glück, meinen neuesten Film in Zürich schneiden zu können.»

Nach dem Kassenschlager «Die Herbstzeitlosen», 2006, hat sich Bettina Oberli einem ernsten Thema zugewandt. Nicht weil sie nach einer Komödie etwas anderes machen wollte. Man bot ihr den Stoff an, und der gefiel ihr. «Die Produzenten hatten meinen ersten Langspielfilm, ‹Im Nordwind› (2004), gesehen, und so kamen sie auf mich.» Es war das erste Mal, dass die Bernerin keine eigene Geschichte verfilmt hat. Eine interessante Erfahrung, sagt sie, zumal Produzenten wie Film­verleih ihr grossen Spielraum liessen. Von Vorteil war auch, dass beim Kauf der Filmrechte für «Tannöd» der Roman noch nicht zum Bestseller avanciert war. Und so hielt sich auch der Erfolgsdruck in Grenzen.

Über ein Jahr wurde nach dem abgelegenen Bauernhof gesucht, auf dem, nach der Romanvorlage von Andrea Maria Schenkel, in einer Nacht sechs Menschen ermordet wurden. Das Gehöft musste einsam und in der Nähe eines Tannenwaldes liegen. Man fand schliesslich im Sauerland (D) eine Bruchbude, die zuerst statisch auf Vordermann gebracht werden musste.

«Viel Zeit haben wir auch beim Filmen verloren», erzählt Oberli. Die beiden Hauptdrehorte lagen fünf Autostunden voneinander entfernt, der Tross war grösser als sonst und die Logistik komplizierter. Und das Wetter spielte auch verrückt. Bei den Aussenaufnahmen schneite es tagelang. «Mit Monika Bleibtreu hatten wir bereits im Sommer begonnen, Winterbilder zu drehen. Mit Kunstschnee und -nebel. Dabei hatten wir auch definiert, wie viel Schnee es haben musste», erklärt Kuthy. Wegen des strengen Winters konnten die Aussenaufnahmen erst im April wieder aufgenommen werden, «und da mussten wir wieder mit Kunstschnee arbeiten», ergänzt seine Frau und sie lachen beide herzhaft.

Es war ein schwieriger Dreh, erinnert sich die Filmemacherin. Die Schwere des Themas setzte ihr genauso zu wie die Kälte. Doch die Crew hielt zusammen. Wegen der Abgeschiedenheit des Ortes entwickelte sich ein grosser Zusammenhalt. Sie hatten es mitunter sehr lustig. Dass Monika Bleibtreu (die Schauspielerin starb wenige Monate nach Beendigung der Dreharbeiten) schon damals sehr krank war, das wusste sie. «Als wir uns zum ersten Mal trafen, sagte sie mir: ‹So werde ich meine Haare tragen, diesen Rock und diesen Schal ziehe ich an, so werde ich sprechen und so will ich diese Figur interpretieren.› Ich bedankte mich. Es war perfekt.»

Dass der Film der Autorin von «Tannöd» gefiel, erfüllt Bettina Oberli bereits mit grosser Freude. Prognosen auszusprechen, wagt sie nicht. Ihren ersten Langspielfilm, «Im Nordwind», sahen sich 5000 Zuschauer an, «Die Herbstzeitlosen» 60'0000!

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