Alexandre Joly im Kunsthaus Langenthal Seine Kunstwelt ist Klang

Stille Bewegung: Das Kunsthaus Langenthal zeigt mit SILENT MOVEMENT die erste grosse Soloschau des Wahlgenfers Alexandre Joly in der Deutschschweiz.
Der Künstler als Rotkäppchen Alexandre Joly inmitten seiner Installation «La grande réunion».
© Raja Läubli, Martina Flury Witschi, Wolfgang Stiller, HO Der Künstler als Rotkäppchen Alexandre Joly inmitten seiner Installation «La grande réunion».

Der Titel der Schau ist verwirrend: «Silent Movement». Erwartet uns ein beschaulicher Rundgang durch die altehrwürdigen Räume des Kunsthauses in Langenthal? Im Gegenteil. Es brummt, knattert und sirrt es, kaum hat man den ersten Stock des Museums betreten. Zu sehen ist erstmal nichts, ausser ein von einem babyblauen Vorhang verhüllter Gang. Nach links, nach rechts? Alexandre Joly, 35, der hier seine erste Soloschau in der Deutschschweiz präsentiert, führt uns direkt in seinen Totem-Wald. Die Installation «La grande réunion» besteht aus bemalten Styropor-Tannen, die statt auf einem Stamm auf eigenen Füssen stehen. Die Idee zu diesen Zwitterwesen kam dem Wahlgenfer bei einem Spaziergang in den Bergen. Ein Holzpflock in ihrer Mitte ist übersät mit kleinen Lautsprechern, die von Zeit zu Zeit beschwörende Melodien von sich geben. «Das ist der Hexer, der so diese Wesen in Schach hält», erklärt Alexandre Joly und lächelt.

Der Raum gegenüber wirkt wie das Spielzimmer eines Riesen. Überdimensionale Kreisel liegen da, als hätten sie eben erst zu drehen aufgehört. Eine Art Transistorradio wiederholt in einer Endlosschlaufe den immer gleichen lang gezogenen Ton, was eine meditative Wirkung hat. Hier wird spürbar, was mit «Silent Movement» gemeint ist. «Ich gebe visuelle und akustische Anregungen, der Rest passiert im Kopf des Betrachters.»

Der gebürtige Franzose, der wegen des Studiums nach Genf kam und hängen blieb, gehört zurzeit zu den interessantesten jungen Künstlern. Keiner mixt so gekonnt und frech Magie, Poesie und Sound. In «Absolute Sine» macht er Klang sichtbar, indem er tintenschwarzes Wasser mit unhörbaren Frequenzen in Schwingung versetzt. Die auf der Oberfläche entstehenden Formen erinnern an Eiskristalle. Und dass man Licht hören kann, zeigt Joly mit einem kreisenden Mikrofon, das das Knattern von Lichtblitzen einfängt.

Kunsthaus Langenthal BE
Bis 5. 5. Mi/Do 14–17, Fr 14–19, Sa/So 10–17 Uhr
Edition mit Poster und Schallplatte CHF 18.–
Tel. 062 922 60 55
www.kunsthauslangenthal.ch

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