Mariapia Borgnini: Grosse Einzelausstellung Sinnliche Konzeptkunst

Die Tessiner Künstlerin Mariapia Borgnini bespielt mit ihren Werken alle drei Ebenen des Museo Cantonale d’Arte von Lugano. Ein spannender Rundgang.
Im Bann der Kugeln. Mariapia Borgnini inmitten ihrer beschrifteten Chromstahlkugeln.
© Andrea Pugiotto, HO Im Bann der Kugeln. Mariapia Borgnini inmitten ihrer beschrifteten Chromstahlkugeln.

Mariapia Borgnini, 60, überlässt nichts dem Zufall. Ihre Werke sind minuziös durchdacht und folgen einem Konzept, das sich nicht auf den ersten Blick offenbart. Doch genau hier liegt der Reiz ihrer Arbeit: Die visuellen Impulse sollen das Interesse des Betrachters auf sich ziehen und – sofern dieser es will – ihn tiefer in die Materie hineinziehen. Nicht von ungefähr arbeitet die Absolventin der Mailänder Kunstakademie Brera seit einigen Jahren auch als Psychopädagogin und Kunsttherapeutin.

Die Vielfalt der in der Ausstellung gezeigten Werke ist gross: Installationen, Videoarbeiten, Fotografien, Gegenstände, Zeichnungen und Klangelemente. «Was mich antreibt, ist die Neugier. Ich bin ständig am Experimentieren mit Materialien und Formen.» Die bedruckten Bahnen – eine Hommage an den Avantgardekünstler Lucio Fontana – sind ein Beispiel dafür. Sie ersetzen vorübergehend die dunklen Vorhänge in den Gängen des Museums. «Das Material umschloss einen grossen Blumenstrauss und weckte mein Interesse. Es war rissfest, strukturiert wie Reispapier, milchig weiss und lichtdurchlässig. Ich habe es sogar in der Waschmaschine gewaschen, um es zu testen.» Mariapia Borgninis Augen leuchten vor Begeisterung.

Die Schau «enoisullillusione» (ein Palindrom, das mit dem Wort Illusion spielt) gliedert sich in drei Hauptstränge: Körper, Handlung, Sprache. In einem Saal im zweiten Stock liegen unterschiedlich grosse Chromstahlkugeln. Sie tragen Aufschriften wie: «Verstehe ich die Unendlichkeit?», «Wo beginne ich, und wo ende ich?». Fragen über die Selbstwahrnehmung, die sich auflösen, sobald die Kugel aus dem Raum rollt. Im selben Saal hängt das Selbstporträt «La baigneuse d’après Magritte», eine weitere Hommage der Künstlerin an einen grossen Maler. Im Bild prominent zu sehen: eine Chromstahlkugel wie die auf dem Boden. Konzept bleibt Konzept, der rote Faden führt durch die gesamte Ausstellung.

Museo Cantonale d’Arte Lugano
Bis 21. 4., Di 14–17, Mi–So 10–17 Uhr
Tel. 091 910 47 80
Katalog CHF 55.–
www.museo-cantonale-arte.ch

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