«VU DE L’AUTRE CÔTÉ»: VERENA VOSER, OBJEKTKÜNSTLER Sinnliches Versteckspiel

Die Zuger Künstlerin Verena Voser experimentiert mit Japanpapier, Bienenwachs und Porzellan. Ihre Werke aus den letzten zwei Jahren überraschen mit Transparenz und viel Farbe.
Ein Meer aus Farben Verena Voser zeigt Vorder- und Rückseite eines ihrer Werke.
Ein Meer aus Farben Verena Voser zeigt Vorder- und Rückseite eines ihrer Werke.

Gleich beim Eintreten in die Zuger Altstadtgalerie wird der Blick magisch von der Farbintensität der hängenden Werke angezogen: Paprikarot, Safrangelb, Türkis, Rosarot. Hat sich das Auge sattgesehen, möchte die Hand zum Zuge kommen und das Material ertasten. Papier, Leinwand, Stoff? Für Letzteres spricht die Hängung über Stäbe, wie man es bei kostbarem Tuch macht, das man weder in einer Truhe noch in einem Kasten aufbewahren möchte. Doch der Eindruck täuscht. Verena Voser, 60, arbeitet seit Jahren mit Japanpapier, das sie durch Beschichtung mit Bienenwachs verfremdet und dem sie so Transparenz verleiht. Hinzu kommen Pigmente, Grafit – und Porzellan. Sehr flüssiges Porzellan, das je nach gewünschtem Effekt mit Pipette oder Pinsel aufgetragen wird. Eine unerwartete Kombination, die staunen lässt. «Ich bin sehr experimentierfreudig», so die Zugerin, die sich seit Langem intensiv mit den Möglichkeiten des Porzellans und des Papiers auseinandersetzt. «Ausprobieren und scheitern. Immer wieder. Ich mache mir das Material zu eigen – und gleichzeitig unterwerfe ich mich ihm.» Als Werkzeug dienen eine Heizplatte, um das Wachs zu schmelzen, und ein heisses Eisen, um dieses auf dem Japanpapier zu fixieren. Verena Voser überrascht auch visuell. Die Werke an der Wand sind keine Bilder, sondern Objekte mit einer Vorder- und einer Rückseite. Die Rückseite wird erst dann sichtbar, wenn man das Objekt wendet. Doch bei ihren Arbeiten schimmert sie meist durch, gibt Strukturen und Farben frei. «Die unsichtbare Seite gestaltet die Vorderseite mit.» In einem Meer von Farben tauchen zarte Arabesken auf, winden sich wellenförmige Linien, erscheinen dicke Verästelungen: Das ist Verena Vosers Welt. Sie setzt künstlerisch um, was sie gesehen, gehört und gedacht hat. Ab und zu geht Verena Voser in die Natur, um zu zeichnen. «Eine erholsame Arbeit. Denn Künstler sein ist anstrengend und macht müde. Wie jeder andere Beruf.» 

GALERIE CARLA RENGGLI Zug.
Bis 14. 7., Di–Fr 14–18.30 Uhr, Sa 10–16 Uhr,
Tel. 041 - 711 95 68,
www.galerie-carlarenggli.ch

 

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