Kira Weber in Basel Sinnlichkeit des Alltäglichen

Was bei Kira Weber AUF DEN TISCH kommt, findet sich früher oder später auch auf der Leinwand wieder. In der Galerie Lilian Andrée sind neue Werke der gebürtigen Genferin zu sehen.
Natur pur Kira: Weber in ihrer aktuellen Ausstellung in Basel.
Natur pur Kira: Weber in ihrer aktuellen Ausstellung in Basel.

Winterliches Schmuddelwetter ist Kira Weber, 64, nicht gewohnt. Die gebürtige Genferin lebt und arbeitet seit Jahren auf Kreta. Von dort stammen auch die meisten Sujets der Malerin: saftige Zitronen, frische Granatäpfel, Mandeln, Trauben, Zwiebeln oder Knoblauch, meist kommen sie direkt aus dem eigenen Garten. Aber auch orientalische Stoffe, kunstvoll drapierte Tischtücher, irdene Krüge, wertvolles Porzellangeschirr oder Blumen finden den Weg auf die Leinwand von Kira Weber. «Mich interessieren die Dinge, die auf den Tisch kommen. Dort findet die eigentliche Essenz des Lebens statt.»

Ihr Stil erinnert an die grossen holländischen Maler des 17. Jahrhunderts. Wie diese wählt die Künstlerin Stillleben, doch die gängigen Symbole dieser Gattung sucht man vergeblich. Auch sind ihre Tafeln nicht über und über beladen. Die Üppigkeit der Werke steckt im Detail. Sie lässt uns ihre Objekte wie durch ein Vergrösserungsglas bestaunen. Einen barocken Touch erhalten ihre Nature-morte-Bilder durch die Opulenz der Farben, die gekonnte Führung des Lichts, durch virtuose, technische Genauigkeit.

Seit Kira Weber in den 1990er-Jahren der streng geometrischen Glaskunst den Rücken kehrte, feiert sie in ihren Ölgemälden die Sinnlichkeit des Alltäglichen. «Auch in den einfachsten Dingen versteckt sich grosse Schönheit.» Angefangen hat die Künstlerin mit Nahaufnahmen. Mehr und mehr weitete sich ihr Blick, die Umgebung – ein Tisch, ein Stuhl – drängt sich mit ins Bild. Die Sujets brauchen eine Einbettung, denn: «Ich male keine Objekte – ich male Porträts», sagt Kira Weber. Neben den grossformatigen Ölgemälden zeigt die Schau auch kleinere Werke in Pastell, ihrer bevorzugten Technik: Ein angeschnittenes Brot, irdene Krüge und Schüsseln lösen durch ihre schlichte Schönheit Assoziationen bäuerlicher Idylle aus. «Mit der Kreide ist der Kontakt zur Leinwand direkter als mit dem Pinsel. Die Dinge wirken viel lebendiger und echter.»

Galerie Lilian Andrée, Riehen BS
Mi–Fr 13–18 Uhr, Sa 11–17, So 13–17 Uhr,
Tel. 061 641 09 09,
www.galerie-lilianandree.ch

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