Pascal Danz Spielerisches Sehen

Ein Jahreszeiten-Zyklus, abstrakte Nachtbilder und erstmals auch Fotografien: Im Kunst(Zeug)Haus Rapperswil zeigt Pascal Danz neue Werke, die mit unseren Sehgewohnheiten spielen.
Geräumig: Das Atelier von Pascal Danz in einer alten Fabrik in Wollerau.
Geräumig: Das Atelier von Pascal Danz in einer alten Fabrik in Wollerau.

Tritt der Betrachter nah vor die Leinwand, sind die Pinselstriche unscharf, klare Abgrenzungen in Farbe und Form sind kaum vorhanden, die Pastelltöne und das diffuse Licht geben der Szenerie eine unwirkliche, ja beinahe unheimliche Note. «Mich interessieren die Leerstellen, die ‹schwarzen Löcher›, die der Betrachter selbst auffüllen muss.» Tatsächlich, ein paar Schritte zurück und das Auge ergänzt automatisch, was fehlt. Die Konturen scheinen scharf, das Stadtbild konkret: Es ist Zürich, die Wahlheimat des Berner Künstlers.

Pascal Danz versteht seinen sechsteiligen Jahreszeiten-Zyklus als urbanes Gegenstück zu Franz Gertschs «Jahreszeiten». Anders jedoch als dieser hat Danz weder fotorealistisch gemalt noch die reale Vorlage abgebildet. Aus rund 30 Fotografien entsteht am Computer ein neues, eigenes Zürich. «Ich wollte weg vom Dokumentarischen.» Neben dem Pinsel hat er auch Pastellkreide oder gar die Finger zum Malen benutzt. Während dem Herbst und dem Sommer je ein Bild gewidmet ist, gibt es von Winter und Frühling deren zwei. «Bei «Winter 2» habe ich mich ausschliesslich auf Grautöne beschränkt. Kein Schwarz, kein Weiss.» Diese finden sich dafür – wenn auch aufs Abstrakte reduziert, bei «Frühling» (links), das Zürich by Night zeigt.

Zum ersten Mal stellt Pascal Danz auch Fotografien aus. Die Schwarz-Weiss-Aufnahmen der Serie «fake nature» bilden einen thematischen Gegensatz: leere Käfige im Zoo, Gewächshäuser, ein künstlich aufgeforsteter Wald, Hinterhofgärten. «Ich will damit den Widerspruch aufzeigen, der im Begriff ‹kultivierte Natur› steckt.» Auch hier fordert eine leichte Unschärfe den Betrachter auf, genau hinzuschauen. Durch das OP-grüne Hintergrundband, auf dem die Fotos befestigt sind, wirken die Abzüge wie Fenster zu einem dahinter liegenden Raum.

KUNST (ZEUG)HAUS, Rapperswil-Jona SG.
Bis 29. 1. 2012, Mi–Fr 14–18, Sa/So 11–18 Uhr
Tel. 055 - 220 20 80
www.kunstzeughaus.ch.

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