Samuel Blaser Subtile Seelenporträts

Die Serie «Dipticha» des Berner Künstlers Samuel Blaser ist hochgradig fantasieanregend. Zu sehen in der Galerie Bischoff in Bern.
Passende Pose. Der Berner Künstler Samuel Blaser vor der Serie «Dipticha» in seinem Atelier.
© Kurt Reichenbach Passende Pose. Der Berner Künstler Samuel Blaser vor der Serie «Dipticha» in seinem Atelier.

Der Showroom von Samuel Blaser, 39, liegt idyllisch inmitten der Altstadt von Bern, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer der Werkstätten von Malerfürst Franz Gertsch. Getroffen haben sich die beiden Berner Künstler noch nicht, aber das kann ja noch werden.

An den Wänden des weiss getünchten Kellerraumes hängt Samuel Blasers neuste Werkserie, «Dipticha». Sie besteht aus einer Vielzahl kleinformatiger Doppelbilder: aus je einem Porträt und einer menschenleeren Landschaft. Mehrere Dinge sind an dieser Arbeit ungewöhnlich. Einerseits zeugt der ungewohnt ernsthafte Blick der an historische Fotografien angelehnten Porträts von einer Zeit, in der die Menschen noch nicht in jede Kamera lächelten. Dadurch erhalten die Gesichter einen würdevollen Ausdruck. Andererseits ist der Ernst irritierend. Er erinnert an Fahndungsbilder. Dieser Eindruck wird noch verstärkt durch die verlassenen Landschaften, die den Porträts zur Seite gestellt sind: ein Waldweg im Mondlicht, eine Strassenbiegung im Nebel, ein verwunschener See in der Dämmerung, eine krumme Wettertanne auf einem kahlen Hügel. Betrachtet man die jeweiligen Bildpaare eingehender, kommen beklemmende Fragen auf: Sind das Gesichter von Opfern, die Landschaften Tatorte? «Warum nicht», sagt der 39-jährige Künstler. «Es könnten aber genauso gut Sehnsuchtsorte oder Traumlandschaften der porträtierten Personen sein.»

Samuel Blaser widmet sich nach einem Jazzstudium Mitte der 1990er-Jahre ganz der Kunst. Eine gute Entscheidung. Stipendien und Auszeichnungen folgen, darunter der Swiss Award 2007. Noch immer spielt er Klavier. Davon zeugt der Flügel, der in seinem Atelier steht. «Musik ist spontaner als Malerei. Aber auch flüchtiger.» Heute jedoch, wenige Tage vor der kommenden Ausstellung, dient das Instrument ausschliesslich als Ablagefläche für seine subtilen Seelenporträts.

Galerie Bischoff und Partner
Bern 30. 5.–6. 7. Mi–Fr 14–18, Sa 12–16 Uhr oder nach Absprache
Tel. 031 312 06 66
Publ. CHF 25.–
www.bernhardbischoff.ch

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