Kino: «Cinco dí sin Nora» Tot - und doch ist Nora lebendiger den je

Tragikomödie: Nora plant minutiös ihr Ableben. Und hält ihren Ex-Mann José tüchtig auf Trab. Ein bezaubernder Film von Mariana Chenillo.
Spass muss sein: José hievt seine Enkelin aus Noras Sarg.
© Trigon-Film Spass muss sein: José hievt seine Enkelin aus Noras Sarg.

Eine Hand deckt eine festliche Tafel, beschriftet Plastikbehälter im Kühlschrank, räumt auf. Sie gehört Nora (Silvia Mariscal), der Hausherrin, die ihren Tod minutiös vorbereitet. Allerdings mit einem Hintergedanken: Sie will ihren Ex-Ehemann José (Fernando Luján), von dem sie seit zwanzig Jahren geschieden ist, zwingen, sich nach ihrem Tod um die Beerdigung und all die anstehenden Angelegenheiten zu kümmern.

 

Darob ist José ziemlich irritiert und möchte Nora baldmöglichst beerdigen. Doch er legt sich mit dem Rabbi quer. Die katholische Hausangestellte, die unaufgefordert blumengeschmückte Kränze auffahren lässt, nervt auch.

Ein Lichtblick sind die beiden Enkelinnen, die sich – um die Zeit zu vertreiben – im Sarg der Grossmutter verstecken und sich sonstige amüsante Spielchen ausdenken. Und dann ist noch Sohn Rubén da, der auf einem jüdischen Begräbnis beharrt.

Als die Bahre samt Nora endlich auf dem Friedhof ankommt, will man den Leichnam der Selbstmörderin irgendwo ausserhalb der Grabfelder verscharren: Die Familie ist entsetzt – also wird die tote Nora wieder nach Haus befördert und auf Eis gelegt.

Um die ohnehin schon vertrackte Situation noch zu potenzieren, hat Nora vor ihrem Ableben ein kompromittierendes Bild, das sie mit einem fremden Mann zeigt, «zufällig» unters Bett fallen lassen. Und wer findet es? Natürlich José!

Mit «Cinco días sin Nora» (Fünf Tage ohne Nora), ihrem ersten Langspielfilm, landete die Mexikanerin Mariana Chenillo, 32, einen Hit: «Der Humor ermöglicht es uns, mit mehreren Schichten zu arbeiten, und jede davon ist wie ein Tuch, durch das ganz fein hindurchschimmert, was dahinter noch kommen mag.» Die mit subtilem, teilweise schwarzem Humor erzählte Geschichte erntete an zahlreichen Filmfestivals Preise: «Beste Regie» in Moskau, «Bester Film» in Biarritz.
 

Darum gefällt der Film:

  • Eine teilweise wahre Geschichte, skurril und feinfühlig erzählt.
  • Die einzige Person, die all ihre Ziele erreicht, ist die tote Nora.
  • Grossartige schauspielerische Leistung und viel Situationskomik.

Länge: 92 Min., Regie: Mariana Chenillo
D.: S. Mariscal, F. Luján, V. Langer. Im Kino.

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