Fernando Botero in Locarno Üppige Pracht

Er gehört zu den ganz Grossen im internationalen Kunstbetrieb: Fernando Botero. Nun widmet die Pinacoteca in Locarno dem Kolumbianer eine grosse Ausstellung.
Familienidylle: «Die Schwestern», 1969–2005, von Botero.
© Keystone Familienidylle: «Die Schwestern», 1969–2005, von Botero.

In ihren besten Kleidern, mit Spitzenkragen, rot lackierten Fingernägeln, Schläufchen im Haar und adretten Pumps posieren die vier Schwestern fürs Erinnerungsbild. Gut, sie sind etwas aus der Form geraten, aber wieso solls ihnen auch anders gehen als ihren wohlgenährten Katzen? Ausserdem scheinen ausladende Rundungen in der Familie zu liegen – wie ein Blick auf die Porträts an der Wand deutlich macht.

Willkommen in der üppigen Welt von Fernando Botero, 78. Der Kolumbianer trägt einen wahrhaft gewichtigen Teil zur internationalen Kunstwelt bei. Die ungewöhnlich üppigen Dimensionen seiner Figuren bewirken eine Sinnlichkeit, die beim Betrachter unweigerlich ein Schmunzeln auslöst. Neben der Form ist auch die Verwendung der Farbe übertrieben. Verteilt auf eine glatte, einheitliche Grundierung, macht sie das Bild zu einem regelrechten Farbenreigen. Geboren 1932 in Medellín, Kolumbien, kommt der angehende Künstler mit 20 Jahren nach Europa. Nach Aufenthalten in Madrid und Paris zieht er 1963 nach New York. Das Museum of Modern Art kauft ihm «Mona Lisa im Alter von 12 Jahren» ab, die kugelrunde Version von Leonardo da Vincis weltberühmtem Gemälde. Seinen einzigartigen Stil hat er da bereits gefunden.

Schwerwiegender noch als seine Gemälde sind Boteros Skulpturen. In Paris, wo er sich in den frühen 70ern niederlässt, entdeckt er diese Kunstform für sich und realisiert daraufhin seine ersten Skulpturen. Im toskanischen Pietrasanta, wo Botero seit den 80ern ein Haus mit Atelier besitzt, arbeitet er mit den dortigen Giessereien zusammen. Die Pinacoteca zeigt nun 60 grossformatige Gemälde mit den Hauptthemen des international anerkannten Künstlers: Akte, religiöse Porträts, Stierkämpfe, Stillleben, Zirkusszenen und Menschen aus dem lateinamerikanischen Leben. Vergnüglich!

Pinacoteca Casa Rusca, Locarno TI:
20. 3.–10. 7. Di–So 10–12, 14–17 Uhr
Tel. 091 - 756 31 70
www.locarno.ch

 

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