Victor Vasarely im Haus Konstruktiv Revival eines ganz Grossen

Die Arbeiten des ungarisch-französischen Malers Victor Vasarely werden wiederentdeckt. Verblüffend: der Blick auf die Anfänge.
Victor Vasarely - Farbige Weltend
© ZVG

Farbige Welten «Stri-Öt», 1979, Öl auf Leinwand, mit ausgebuchteten Formen.

Was in einer Farborgie geometrischer Formen endet, begann ganz unaufgeregt in Schwarz-Weiss. Zwar malte Victor Vasarely (1906–1997) bis 1953 in Farbe, anfangs sogar Landschaften, später biomorphe Formen, und verdiente gutes Geld als Grafiker. Doch mit dem Gemälde «Hommage à Malevitch» betrat der Ungar, der seit den 1930er-Jahren in Paris lebte, neue Wege. Formen wurden vereinfacht und streng arrangiert, Kompositionselemente beschränkt auf Raute, Quadrat und Kreis, Schwarz und Weiss setzten sich als einzige Farben durch. Vasarely entwickelte eine neue Sprache, schuf Bilder voller Strukturen und Rhythmen. Wurde zu einer Schlüsselfigur der Op-Art (optische Phänomene) und Wegbereiter der kinetischen Kunst. Als Vasarely zu seinen einfachen Formen findet, ist er weit über 40 und hat Jahre des Experimentierens mit Materialen wie Leinwand, Holztafeln, Glas, Plexiglas und Metall hinter sich. Neben der Malerei verwendet er auch fotografische Vergrösserungen und Serigrafie. Diese erlaubt Vasarely eine grosse Verbreitung seiner Werke, eine Art «Demokratisierung der Kunst».

Vasarelys künstlerisches Vokabular bleibt ab den 50er-Jahren klein: die Raute, der abgeschnittene Kreis, das Spiel mit Positiv und Negativ, die Deformation der Linie. 1962 kehrt Vasarely zur Farbe zurück und entwickelt sein «alphabet plastique». Jetzt kann er Formen und Farben kombinieren und mit Modulen jede Figur erschaffen. Plötzlich ist er allgegenwärtig, auch in der Werbung und in der Mode. Zu viel des Guten.

Der grosse Meister des 20. Jahrhunderts gerät in Vergessenheit. Sein Stern ist nun erneut am Steigen, das beweist die Ausstellung in Zürich.

Haus Konstruktiv, Zürich
bis 18. 5. Di–So 11–17, Mi 11–20 Uhr
Tel. 044 217 70 80, www.hauskonstruktiv.ch, Katalog CHF 56.–

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