Atelierbesuch Videokunst hautnah

Die Lausannerin Emmanuelle Antille erobert das kleine, aber feine Museum von Pully VD. Mit neun Arbeiten umkreist die 37-jährige Videokünstlerin das Thema Begehren.
Zart umsponnen: Die Künstlerin Emanuelle Antille vor ihrem Video «Strings of Affection», 2009.
© Pierre-Antoine Grisoni / STRATES Zart umsponnen: Die Künstlerin Emanuelle Antille vor ihrem Video «Strings of Affection», 2009.

Ihr Name schmilzt wie Butter auf der Zunge und lässt von palmenbesetzten Stränden träumen. Doch die Wurzeln von Emmanuelle Antille liegen nicht in der Karibik, sondern im Wallis. Exotisch oder eher bohemien wirken lediglich die einzelnen lila Strähnen im schulterlangen Haar. Die Haut der 37-Jährigen ist schneeweiss, ihre wachen Augen blau.

Die Künst­lerin wirkt etwas müde, aber glücklich. Die Vernissage vom Vorabend – ein Erfolg. Endlich konnten all die Freunde, Verwandten und Bekannten, die oft auch in ihren Videoarbeiten auftreten, mit dabei sein. Denn die Westschweizerin ist in der Deutschschweiz und im Ausland bekannter als zu Hause in der Waadt.

Emmanuelle Antille ist es gewohnt, in grossen Hallen auszustellen, doch sie freute sich auf den kleinen Palais: «Der passende Rahmen für meine intimen Videos.» Neun Räume, neun Videoarbeiten, vier davon konzipierte sie extra für die Ausstellung mit dem sinnigen Namen «Restrain & Release» (Unterdrückung & Befreiung).

So zeigt die Videoin­stallation «Geometry of Ecstasy», 2010, einen Liebesakt. Sehr direkt. Ein schwerer Filzvorhang verhüllt den Eingang zum Saal, eine Tafel warnt vor eventueller Verletzung der Gefühle. Kunst? Oder schon Pornografie? «Ich filmte beim Paar zu Hause, wollte die Normalität des Alltags wiedergeben. Das gehört dazu wie essen und trinken.» Geht aber unter die Haut.

«Strings of Affection», 2009, stellt die Mutter der Künstlerin dar, verstrickt in Fäden, die die ganze Wohnung durchkreuzen. Sichtbare und unsichtbare Stränge, die unser Leben prägen. Weniger poetisch, dafür packend ist das Werk «Untitled (without ink)», 2010, in dem sich Emmanuelle Antille ein Schwert auf den Unterarm stechen lässt – ohne Tinte. «Die Rötungen werden vergehen, die Kraft des Schwertes wird bleiben.»

Seit die Filmerin für eine Installation mit zwei tätowierten Frauen gearbeitet hat, kann sie sich der Faszination dieses Körperschmucks nicht mehr entziehen. Selbst aber trägt sie keinen. Zu ihren Freunden zählt seit einigen Jahren der international bekannte Lausanner «Meisterstecher» Filip Leu & Family.

Emmanuelle Antille, die 2003 die Schweiz an der 50. Biennale von Venedig vertrat und 2008 an der Art Unlimited in Basel teilnahm, geht beharrlich ihren Weg. Bereits arbeitet sie an ihrer nächsten Videoinstallation. Verraten will sie noch nichts.


Musée de Pully VD
Bis 16. 5. Mi–So 14–18 Uhr,
Tel. 021 - 729 55 81
                
Katalog CHF 25.–

www.museedepully.ch

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