Sogar-Theater in Zürich Vom Buch zur Bühne

Peter Brunner vom Sogar hat sich ganz dem literarischen Theater verschrieben. Im Mai wird Urs Widmers «Kellner Lear» uraufgeführt. Ein Augenschein.
Verankert im Kreis 4: Peter Brunner an der Langstrasse.
© Willy Spiller Verankert im Kreis 4: Peter Brunner an der Langstrasse.

Peter Brunner, 56, ist ein Quereinsteiger mit «Talent zum Theatermacher». Zuvor war er Buchhändler und Biblio­thekar. «Ich war frustriert, dass alles für Jahre im Keller verschwinden musste, und zerbrach mir den Kopf darüber, wie ich das Papier zum Sprechen bringen könnte.» Dann lernte der Zürcher seine heutige Lebens- und Theater-Partnerin Doris Aebi kennen. Auf ihre Frage, was er sich zum Geburtstag wünsche, sagte er: «Ein Theater.» Er bekam es. Doris arbeitete damals in einem abends wenig genutzten Lokal an der Josefstrasse, das «Sogar» hiess. Das Theater wurde 1998 eröffnet, der Name blieb.

Ein wunderbarer Lüster aus Murano-Glas verleiht dem knapp 60 Quadratmeter grossen Raum eine gewisse Grandezza. Die Bühne ist klein, doch sie reicht, um Grosses zu zeigen. Wer mittags Theaterluft schnuppern möchte, der kann das jeweils donnerstags beim Table d’hôtes tun, allerdings kommt die Vorstellung dann nur aus der Küche.
Die Auslastung des Kleintheaters, das je nach Inszenierung zwischen 50 und
60 Zuschauer fasst, ist gross. Diese Saison erreichte sie 95 Prozent! Pro Spielzeit werden bis zwanzig Stücke gezeigt. Viele davon sind Eigenproduktionen, andere kommen im Sogar Theater zur Urauf­führung. Wie jetzt «Kellner Lear» von Urs Widmer. Ein Vaudeville-Stück mit Musik von Susanne Hinkelbein. «Eine Unterhaltung mit Haltung».

Ein kleines Lächeln der Vorfreude huscht über das Gesicht des Theaterdirektors. Die Zuschauer werden an Tischen sitzen, während die (Haus-)Schauspieler Graziella Rossi, René Ander-Huber, Klaus Henner Russius und Helmut Vogel für die Unterhaltung sorgen. Und: Der erfahrene Theaterautor Urs Widmer inszeniert selber.

Es war Brunner von Anfang an wichtig, dass man das Haus mit bestimmten Künstlern in Verbindung bringt. «Und ich wollte ein Theater gegen das Vergessen machen.»  Peter Brunner erarbeitet oft eigene Konzepte, die er von auswärtigen Regisseuren inszenieren lässt. Er ist für die Planung der Spielzeit besorgt, schaut sich neue Stücke an, wählt aus, lehnt ab: ein 150-Prozent-Job, den er mit Dankbarkeit und Enthusiasmus ausführt. Bis der Vorhang fällt. Dieser Moment macht ihn jedes Mal nachdenklich. «Das Einzige, was mir nach einer Inszenierung bleibt, sind Erinnerungen und Fotografien der Auf­führungen. Theater ist wirklich eine gute Lebensschule. Nämlich die des Loslassens.»

 

SOGAR THEATER Zürich

"Kellner Lear» von Urs Widmer
Bis 30. 5., Premiere 20. 5., Tickets Tel. 044 - 271 50 71
www.sogar.ch
Mittagstisch/Table d’hôtes 044 - 272 98 90
www.sogarkueche.ch

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