Kinderbücher Vom Strubelpeter bis zur Marmeladenfee

Bilderbücher sind willkommene Geschenke und machen meist doppelt Freude: beim Vorlesen und beim Anschauen. Und mit einem Roman über die Liebe liegt man auch bei Teenies richtig.

Der Kerl mit seinen langen Klauen und wilder Löwenmähne ist die perfekte Abschreckung für jedes Kind, das sich weigert, seine Haare und Nägel schneiden zu lassen. Auch die neun weiteren Episoden aus dem legendären «Struwwelpeter» machen Kindern drastisch deutlich, wohin Regelverstösse führen können. Und so unterstützte Deutschlands populärstes Kinderbuch viele Eltern bei der Durchsetzung ihrer Erziehungsmassnahmen.

Der Frankfurter Arzt Heinrich Hoffmann hat das Werk 1846 publiziert. Seine illustrierten Balladen von «Zappelphilipp» und «Hans Guck-in die-Luft» thematisierten schon damals die Aufmerksamkeitsstörung ADHS und Hyperaktivität. Lange bevor sich die Fachwelt damit auseinandersetzte. Der Zürcher Schriftsteller Jürg Schubiger, 74, wurde zwar ohne «Struwwelpeter» erzogen, aber als er das Buch bei der gleichaltrigen Nachbarin in die Hände bekam, blieben die moritatenhaften Gedichte und Bilder in seinem Gedächtnis haften. Nun hat sich der mehrfach ausgezeichnete Autor des kuriosen Volksbuchs angenommen und es in die Mundart übersetzt. Mit Sprachwitz nimmt er der Dramatik die Schärfe. Und wo Hoffmann im Vers nicht den Illustrationen folgte, holt dies Schubiger nach: So frisst der Hund im «Bösen Fritz» nicht zuerst den Kuchen vom Tisch, sondern die Wurst! Der ehemalige Psychologe glaubt nicht, dass die Kinder von Hoffmanns Bildern traumatisiert werden und schreibt im Nachwort: «Zum Glück sind solche detaillierten Darstellungen eher geeignet, kindliche Ängste zu bannen als zu wecken.»

 

Auch interessant