Im Kino Von Bündner Bergen und urbaner Exzentrik

Daniel Schmid – le chat qui pense (CH): Der Film über den berühmten Regisseur taucht in eine wunderbare Welt der Inszenierung ein.
Glückliche Tage: Daniel Schmid mit Lucia Bosé während der Dreharbeiten zu «Violanta».
Glückliche Tage: Daniel Schmid mit Lucia Bosé während der Dreharbeiten zu «Violanta».

Ein Bergler wie aus dem Bilderbuch war Daniel Schmid (1941–2006) beileibe nicht. Im Grandhotel in Flims, wo er aufwuchs, atmete er von jeher internationale Luft. Und er war sich schon früh sicher, dass es hinter den Bergen noch eine andere Welt geben müsste. Diese Welt hiess für den 21-jährigen Studenten zunächst einmal Berlin. Das Jahr: 1962. In der deutschen Metropole fand er schnell Anschluss an die Kreativszene. Bald zählten der cineastische Wunderknabe Rainer Werner Fassbinder und Film- und Theater-Haudegen Werner Schroeter zu seinen Freunden. 1968 drehte Daniel Schmid «Miriam», seinen ersten Film.

In den 70er-Jahren ging er mit seiner Entourage nach Paris, machte Filme wie «Heute Nacht oder nie», «Schatten der Engel», «Violanta» oder «Hécate», die ihm international einen Ruf als hervorragender Filmemacher einbrachten. Es zog ihn aber bald wieder in die Schweiz zurück, wo er in Zürich und Genf auch Opern inszenierte. Sein letzter Film heisst «Beresina oder die letzten Tage der Schweiz» (1999).

Im gleichen Jahr wird er mit dem Ehren-Leoparden des Filmfestivals Locarno ausgezeichnet. Während der Dreharbeiten zu «Portovero» erliegt Daniel Schmid 2006 einem Krebsleiden. Ein halbes Jahr zuvor begannen Pascal Hofmann und Benny Jaberg mit ihrem Dokumentarfilm über Daniel Schmid. Nach dem Tod des Regisseurs legten die beiden Schweizer Filmer das Projekt erst zur Seite, nahmen es aber doch wieder auf und stellten es unter dem Titel «Daniel Schmid – le chat qui pense» fertig.

Der Film ist eine berührende, nostalgische Reise in Schmids Filmwelt der 60er-, 70er- und 80er-Jahre. Tolles Archivmaterial und Gespräche mit Zeitzeugen und natürlich auch mit Daniel Schmid lassen das Publikum eine ganze Menge über den berühmten Filmer erfahren.
 

Das macht den Film aus

  • Die beiden Regisseure kommen sehr nahe an ihren Protagonisten heran.
  • Er hält visuell ansprechend ein Stück Schweizer Filmgeschichte fest.
  • Er weckt auf träumerische, aber auch informative Art Filmsehnsüchte.

L.: 83 Min., R.: P. Hofmann und B. Jaberg, D: D. Schmid und W. Schroeter. Start 8. 4.
  

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