Einer zu viel Wenn die Vergangenheit die Liebe zerstört

In Angelika Waldis’ sensiblem Roman wird eine ganze Familie in ein Netz von Leidenschaft und Lebenslügen verstrickt.
Das neue Buch der Luzernerin Angelika Waldis
Das neue Buch der Luzernerin Angelika Waldis

«Wenn Ina allein in Casta war, machte sie einen Lügenentzug: Sie schrieb nur trockene Stichwörter und nichts Beschönigendes ins Ferienheft …» Gerade jetzt ist sie wieder in ihrem Sommerhaus. In der archaischen Wildheit eines ­Tessiner Tales wünscht sich die 63-Jährige das Glück von einst zurück. Damals, als Matti, ihr Ehemann, noch lebte. «Der wunderbarste Mann und denkbar beste Vater.»

Zusammen mit den Enkelkindern erwartet die Witwe nun ihre Tochter Judith und Sohn Peter. Nicht wissend, dass Letzterer sich ein paar Tage zuvor in Inas Refugium herumgetrieben hat, um sich im Stall aufzuhängen. Seine Spielsucht hat ihn in eine ausweglose Situation gebracht. Auch von Judiths Ehekrise ahnt sie nichts.

So treffen nach und nach alle Protagonisten in der Casa Casta ein. Aber auch das lange leer stehende Anwesen in Castagneto scheint plötzlich aus dem Dornröschenschlaf erwacht zu sein. Dort, wo früher die blutjunge und bildhübsche Riccarda mit ihrem Mann Mauro lebte. Matti zeichnete ihnen damals die Pläne für eine Ferienwohnung im Haus. Doch daraus wurde nichts. Das Paar wanderte in die USA aus. Nun ist ihr dort geborener Sohn Dante zurückgekommen. Zusammen mit Freund Bill. Schon bald joggt Judith täglich nach Castagneto, um glühend vor Liebe wieder nach Hause zu kommen.

Angelika Waldis hat bereits in ihrem letzten Roman «Die geheimen Leben der Schneiderin» (2008) mit ihrer subtilen Schreibweise überzeugt. Sie moralisiert und dramatisiert nichts. Inas Rätselsucht ist geradezu ansteckend. Und die Handlung so dicht, dass man nach den 170 Seiten das Gefühl hat, weit mehr gelesen zu haben. Fazit: keiner zu viel, der dieser wunderbaren Schriftstellerin die Reverenz erweist!

Die Faszination des Buches

  • Die Leichtigkeit, wie die Autorin über die Irrungen des Lebens schreibt.
  • Inas Rätsel: «Mal kommen sie gar nicht, mal ungefragt, mal anders daher als bislang – und immer ist Er voran.»
  • Die Sinnlichkeit und das Geheimnisvolle
     

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