Im Kino Wenn die Zweisamkeit verloren geht

«A Single Man» - Modedesigner Tom Ford gelang ein beachtlicher Erstling mit einem Oscar-verdächtig guten Colin Firth in der Hauptrolle.
Tempi passati: George (Colin Firth) mit seinem Lover Jim (Matthew Goode, r.)
Tempi passati: George (Colin Firth) mit seinem Lover Jim (Matthew Goode, r.)

Von einem Moment auf den anderen wird George (Colin Firth) zum «Single Man». Sein langjähriger Partner Jim (Matthew Goode) kommt bei einem Autounfall ums Leben. An dessen Beerdigung ist er unerwünscht, denn die Familie hat die homosexuelle Neigung des Verstorbenen nie geduldet. Ein harter Schlag für den 52-jährigen Professor, der über 16 Jahre an Jims Seite verbrachte. Auf der Suche nach neuem Halt wendet sich George an seine ehemalige Hetero-Affäre Charley (Julianne Moore).

Die attraktive Alkoholikerin giesst ihm einen Gin ein und versucht ihn zu küssen. Sollten sie es doch nochmals zusammen versuchen? Ein bisschen Trost könnten beide gebrauchen.

Und da ist ja auch noch einer seiner Studenten, der sich mehr für den Lehrer als für den Lernstoff interessiert. Soll er, der tief trauernde George, den Revolver, der in seiner Schublade liegt, also doch unberührt lassen?

Star-Designer Tom Ford, der in den 90er-Jahren dem Glamour-Label Gucci aus der Krise half, wollte als Regie-Debütant offensichtlich keinen Film machen, der an der Oberfläche kleben bleibt. Denn damit hätte er das Klischee, das der Modewelt anhaftet, zementiert. «A Single Man» schlägt in eine ganz andere Richtung. Gut, Hauptdarsteller Colin Firth (der trockene Brite mit dem Rentier-Pullover aus «Bridget Jones») ist hervorragend gekleidet, und der Film hat eine bestechende, allerdings etwas starre Ästhetik. Abgesehen davon dominieren aber die melancholischen, leisen Töne.

Ford erzählt die Geschichte von Leben und Tod, die in den 60er-Jahren spielt, mit Feingefühl und einem Hang zum Romantischen. Bei der Wahl der Schauspieler hatte er zudem ein glückliches Händchen. Vor allem Colin Firth spielt mindestens so gut, wie er angezogen ist – er erhielt für seine Rolle eine Oscar-Nomination.
 

Deshalb ist der Film sehenswert

  • Die Bilder gleichen Meisterwerken von Wong Kar Wai («In the Mood for Love»).
  • Colin Firth spielt die anspruchsvolle Rolle mit einer eindrücklichen Tiefe.
  • Ford bringt die Liebesgeschichte mit viel Menschlichkeit auf die Leinwand.

Länge: 99 Min., Regie: Tom Ford, Darst.: C. Firth, J. Moore, N. Hoult. Start: 11. 2.

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