Buch: Homer & Langley, E.L. Doctorow Wenn Menschen sich vor der Welt verschanzen

E. L. Doctorow entführt in seinem Roman ins selbst gewählte Exil der legendären Brüder Homer und Langley Collyer.
Der US-Autor war 16, als die Collyer- Brüder, die Protagonisten seines Romans, starben.
© Isolde Schaffter-Wieland Der US-Autor war 16, als die Collyer- Brüder, die Protagonisten seines Romans, starben.

«Ich bin Homer, der blinde Bruder. Ich habe mein Augenlicht nicht auf einmal verloren, es war, wie im Kino, ein langsames Ausblenden.»

Der Protagonist des US-Autors E. L. Doctorow verliert im Roman die Sehkraft als junger Mann. Im wirklichen Leben erblindete Homer Collyer mit etwa fünfzig. Er spielte auch nicht Klavier. Das war sein Bruder Langley. Und er war nicht der jüngere der beiden, sondern der ältere. Ein genialer Schachzug des Literaten, um die wahre Geschichte des Brüderpaars von Voyeurismus und Pathologisierung zu befreien. Denn die New Yorker Homer und Langley Collyer sind 1947 als Messies legendär geworden. Der blinde Homer erzählt ohne Pathos vom Rückzug aus der Welt. Vom Tod seiner wohlhabenden Eltern, von der Heimkehr seines kriegsversehrten Bruders aus Europa. Die Junggesellen pflegen anfangs noch den Kontakt mit der Aussenwelt. Geben Tanzpartys, bis sie von Nachbarn denunziert werden. Darauf erklärt Langley der Aussenwelt den Krieg. «Dieses Haus ist unser unverletzliches Reich.» Und er füllt es mit allen möglichen und unmöglichen Dingen. Bis zum Bersten. Da steht unter anderem zum Entsetzen der Haushälterin plötzlich ein Ford T im Speisezimmer. Doch Langley sammelt auch Zeitungen, weil er sie katalogisieren und daraus eine «immerwährend aktuelle zeitlose Zeitung» machen will. An uns Lesern ziehen die Ereignisse des 20. Jahrhunderts vorbei. Auch dank den Menschen, die in diesem Kosmos immer wieder mal Unterschlupf finden. Wie das Hippiegirl Lissy. Die Gelassenheit und das Unvoyeuristische, mit denen Doctorow das Leben der beiden Aussenseiter schildert, fasziniert und berührt. Bis zum bitteren Ende.

Darum ist das Buch so wuchtig:

  • Weil es sich meisterhaft zwischen Realität und Fiktion bewegt.
  • Weil es ohne Sensationslust auskommt.
  • Wegen des Satzes: «Herrgott, was würde ich nicht dafür geben, etwas anderes zu sein als ein Mensch

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E. L. DOCTOROW - Homer & Langley (Kiepenheuer & Witsch)

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