Zwischen Brücke und blauem Reiter Von wegen «entartet»!

Ausgewählte Werke der Sammlung von Hanna Bekker vom Rath sind zurzeit im Zentrum Paul Klee zu sehen.
«Liebespaar», um 1908, von Ernst Ludwig Kirchner
© HO

«Liebespaar», um 1908, von Ernst Ludwig Kirchner. 

Sie war eine, die unerschrocken für ihre Überzeugungen einstand. Die deutsche Malerin, Sammlerin und Galeristin Hanna Bekker vom Rath (1893–1983) setzte sich ein, ob als Kämpferin für die Emanzipation oder als Bewahrerin der Kunst der Moderne.

Die Tochter einer wohlhabenden Frankfurter Familie entdeckt ihre Liebe zur Kunst bereits früh, nimmt Zeichenunterricht und malt. Sie entwickelt ein sicheres Gespür für künstlerische Qualität, hat gleichzeitig einen klaren Blick für die politischen Verhältnisse. Mutig setzt sie sich für jene Künstler ein, die unter den Nationalsozialisten als «entartet» geächtet werden. In den Jahren 1942/43 organisiert sie in ihrem Atelier heimlich Ausstellungen aus dem Kreis des Expressionismus, «um den Kontakt der Künstler mit ihren Sammlern und der jüngeren Generation zu fördern». So entstehen Freundschaften zu bedeutenden Kunstschaffenden wie Ludwig Meidner, Alexej von Jawlensky oder Emy Roeder. Sie kauft Werke, selbst wenn sie dafür die Perlenkette der Grossmutter versetzen muss, und lädt die Maler nach Hofheim in der Nähe von Wiesbaden in ihr legendäres Blaues Haus ein. Karl Schmidt-Rottluff, einer der wichtigsten Vertreter des Expressionismus und Gründungsmitglied der Künstler-Vereinigung Die Brücke, ist ein regelmässiger Gast.

Bald eilt ihr der Ruf voraus, eine mit besten internationalen Kontakten ausgestattete Botschafterin avantgardistischer Kunst zu sein. Neben ihrer regen Sammlertätigkeit gründet sie das Frankfurter Kunstkabinett, als deren Betreiberin sie Werke an bedeutende Institutionen und Kunsthäuser verkauft.
Die Schau im Zentrum Paul Klee entstand in Zusammenarbeit mit dem Museum Wiesbaden, sie vereint die wichtigsten Bilder aus dem Nachlass der Sammlerin Hanna Bekker vom Rath mit Werken von Max Beckmann, Karl Schmidt-Rottluff, Ernst Ludwig Kirchner, Emil Nolde, Alexej Jawlensky, Paul Klee, Kurt Schwitters, Alberto Giacometti, Käthe Kollwitz oder Willi Baumeister.

Zentrum Paul Klee
Bern Bis 23. 2., Di–So 10–17 Uhr
Tel. 031 359 01 01,
Publ. CHF 66.50
www.zpk.org

Auch interessant