«Ein Fenster zur Welt» Im Kunstmuseum Lugano Zimmer mit Ausblick

Das Fenster ist in der Kunst ein beliebtes Sujet. Nun widmet sich eine Schau im Kunstmuseum Lugano dem symbolträchtigen Motiv und zeigt die schönsten Werke berühmter Meister.
Ländliche Idylle: «Fenêtre ouverte sur la Seine à Vernonnet» von Pierre Bonnard.
Ländliche Idylle: «Fenêtre ouverte sur la Seine à Vernonnet» von Pierre Bonnard.

Der Blick schweift durchs Fenster hinaus, in der Ferne der Horizont: ein Fluss, unbegrenzte Weite – die Freiheit. Das Fenster ist bei Pierre Bonnard (1867–1947) ein beliebtes und häufiges Motiv (grosses Bild). Es gibt den Blick frei für eine besondere Perspektive. Und als Schwelle zwischen Innenund Aussenwelt steht es auch für die Sehnsucht des Menschen.

Der Blick auf ein Gemälde gleicht dem durch ein offenes Fenster. Diese Beobachtung des italienischen Gelehrten Leon Battista Alberti aus dem Jahre 1435 prägte jahrhundertelang die Vorstellung von einem Bild, das durch die Zentralperspektive organisiert ist und – wie das Fenster – nur einen Teil des Ganzen sichtbar macht.

In der Kunst des 20. Jahrhunderts dient das Fenster häufig als Symbol dafür, ins Unbekannte und Unbegrenzte vorzustossen. Der umgekehrte Blick – durch ein Fenster ins Innere eines Hauses – hat dagegen etwas Verbotenes, Geheimnisvolles, ein verstohlenes Eindringen in eine fremde Intimität. Die Schau im Kunstmuseum Lugano umfasst Werke von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert. Der Rundgang beginnt mit Alberti, Dürer und Pieter de Hooch, wo das Fenster als geometrisches Element zur Unterstützung der Perspektive verwendet wird. Die Romantik ist mit Johann Heinrich Füssli oder Hans Thoma vertreten, die der Befindlichkeit der Seele Ausdruck geben. Im Mittelpunkt der Ausstellung aber stehen die Interieurs von Monet, Bonnard, Vuillard und Matisse, die den Visionen von de Chirico, Funi oder Casorati gegenübergestellt werden.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der Fondation de l’Hermitage de Lausanne, wo die Schau im kommenden Frühjahr zu sehen sein wird.

Museo Cantonale D'arte Lugano TI
16. 9.–6. 1. 2013, Di 14–17, Mi–So 10–17 Uhr
Tel. 091 - 910 47 80, Publ. CHF 41.–
www.museo-cantonale-arte.ch

 

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