«Sehnsucht Persien» Miniatur trifft Moderne im Zürcher Museum Rietberg

Vor 400 Jahren begann die grosse Anziehung zwischen Persien und Europa. Eine Sonderausstellung beleuchtet jene Zeit und setzt moderne Kontrapunkte.
Ein Bild aus dem 17/18 Jahrhundert

«Junge Frau in georgischer Tracht», Iran, 17./18. Jahrhundert.

Schah 'Abbas I. (1587–1629), der berühmteste der Safawidenherrscher, öffnete den Iran in beispielloser Weise für die Aussenwelt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts liess er die Hauptstadt Isfahan ausbauen, die bald wie ein Magnet Kaufleute, Diplomaten und Reisende aus allen Erdteilen anzog. Sowohl die Holländer wie auch die Engländer gründeten Niederlassungen. Keramik, Seide, Rosenwasser und Korinthen (Rosinen) wurden nach Europa versandt. Die Iraner erfreuten sich an Tabak aus der Neuen Welt, an Kaffee aus Äthiopien und an Stoffen aus Indien.

Auch die Kunst blühte auf. Persische Diplomaten in Europa, mit ihren exotischen Kleidern aus edlen Stoffen, animierten zum Malen. Es entstanden Bilder mit Szenen am Hofe, aquarellierte Porträts, handkolorierte Stiche. Im Iran dienten westliche Abbildungen (rechts) als Vorlage für Neuinterpretationen, wie etwa Marcantonio Raimondis Stich «Kleopatra» (1515–1527) für Mir Afzal al-Hoseynis «Junge Frau mit Hündchen» (1640).

Wer die kostbaren persischen Miniaturen sucht, kommt in der Ausstellung «Sehnsucht Persien» ebenfalls auf seine Kosten (unten). Einen kräftigen, wenn nicht sogar wuchtigen Akzent setzen die Werke zeitgenössischer Künstler aus dem Iran. Beklemmend die Videos von Samira Eskandarfar, tiefgründig die Arbeiten von Rozita Sharafjahan (u. r.), die neben dem traditionellen Rosenmotiv, Zweige mit Dornen stickt. Mandana Moghaddam überprüft mit ihren Haarskulpturen das Leben heutiger Frauen.

Museum Rietberg Zürich
Bis 12. 1. 2014 Di–So 10–17 Mi/Do 10–20 Uhr
Tel. 044 206 31 31
Katalog CHF 59.–
www.rietberg.ch 

Auch interessant