Katharina Bürgin, Malerin und Objektkünstlerin Leichtigkeit und Transparenz

Die Schaffhauserin Katharina Bürgin bespielt die Räumlichkeiten des barocken «Bernerhauses» vom Kunstverein Frauenfeld. «Gartenarbeit» heisst die Ausstellung: Sie ist zugleich Programm.
Schwebend: Katharina Bürgin mit einer roten «Qualle» aus verleimtem Papier, bestückt mit Stecknadeln.
© Willy Spiller Schwebend: Katharina Bürgin mit einer roten «Qualle» aus verleimtem Papier, bestückt mit Stecknadeln.

Die Natur liefert Katharina Bürgin, 47, die Themen. Ihr geliebter Garten in Schaffhausen genauso wie das Meer in Irland, wo ihre Familie ein kleines Cottage besitzt. Samen und deren Hülsen, Schalen von Seeigeln, Blumenbeete, die reflektierende Oberfläche eines Gewässers oder deren Durchsichtigkeit: Sie alle beflügeln die Fantasie der Künstlerin.

Lange Zeit hat sich Katharina Bürgin mit der Kunst des Papiergusses beschäftigt (Pappmaché). Das Interesse der ausgebildeten Werklehrerin galt damals dem Haus, das sie zuerst als kompaktes, später als durchsichtiges Objekt darstellte. Seit zehn Jahren ist sie «aus dem Haus in den Garten getreten», wie die Künstlerin schmunzelnd sagt. Jetzt arbeitet sie mit transparenten Folien. Oft sind sie zwei und mehr Meter hoch und hängen frei im Raum. «Sie haben weder eine Vorder- noch eine Hinterseite. Je nachdem, wie das Licht fällt, bekommt die Bleistiftzeichnung mehr Kraft, oder die Farbe wird intensiver.» Im Arbeitsprozess entstehen auf der Folie Ebenen und Überlagerungen. Zum Schwarz des Bleistifts und zur Intensität der Farben gesellt sich meist Schellack (eine harzige Substanz, Bestandteil auch von Schallplatten), der eine besondere Durchsichtigkeit besitzt und je nach Lichteinfall golden schimmert.

Silbern hingegen blitzen die Köpfe der Stecknadeln auf, mit denen Katharina Bürgin Zeichnungen umrandet oder Muster ausfüllt. Dabei sticht sie mit den Nadeln durch die Folie hindurch, Nadelkopf an Nadelkopf setzend. Manchmal nimmt sie die Stechnadeln wieder heraus, zurück bleibt eine feine Spur aus Löchern.

Katharina Bürgin lebt mit ihrem Mann in Schaffhausen am Rhein. Sie arbeitet Teilzeit als archäologische Zeichnerin, mit einem Freund führt sie ein Büro für Gestaltung. Jetzt, wo die Ausstellung hängt, kann sie endlich wieder in ihrem Garten arbeiten. Und neue Motive finden. KATI MOSER

BERNERHAUS, Frauenfeld TG. Bis 13. 5., Sa 10–12/14–17, So 14–17 Uhr,
www.kunstverein-frauenfeld.ch.

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