Annelies Strba im Kunsthaus Zug Malen mit der Kamera

Das Kunsthaus Zug widmet Annelies Strba eine gross angelegte Schau: «SHADES OF TIME» ist eine vielseitige Werkübersicht.
Märchenhaft: Annelies Strba inmitten ihrer aktuellen Ausstellung im obersten Saal des Kunsthauses Zug.
© Willy Spiller Märchenhaft: Annelies Strba inmitten ihrer aktuellen Ausstellung im obersten Saal des Kunsthauses Zug.

Kein Tag vergeht, an dem Annelies Strba, nicht fotografiert. Die 65-jährige Künstlerin betrachtet die Welt seit ihrer Jugend am liebsten durch die Linse. Früher war es diejenige der Kamera, die bevorzugten Motive waren ihre Kinder Linda, Sonja und Samuel. Heute zückt sie das Handy und fotografiert die Enkel, von denen einige mit ihr im gleichen Haus in Richterswil ZH wohnen. Das Kunsthaus Zug widmet der international gefragten Künstlerin mit Zuger Wurzeln nun eine Werkschau. Die Ausstellung startet im Keller, hier findet sich auch gleich ihr Hauptwerk: «Shades of Time». Die Dia-Installation, die von 1970 bis 1997 entstanden ist, stellt Strbas künstlerische Auseinandersetzung mit ihrem damaligen Alltag dar: ihre drei Kinder am Esstisch, beim Spielen, in der Küche, in märchenhaften Kleidern, schlafend auf dem Sofa – rührende Szenen einer behüteten Kindheit.

Dieser Idylle stellt sie Reiseaufnahmen von Auschwitz und vom Erdbeben in Kobe gegenüber. Die 240 Dias, untermalt von elektronischen Klängen, entwickeln einen eigentümlichen Sog, auch durch die leichte Unschärfe – auch alltägliche Momente wirken dadurch geheimnisvoll, wie aus einer anderen Zeit. «Früher habe ich in der Dunkelkammer gezaubert – heute kann ich mit Licht malen», beschreibt Strba ihre künstlerische Entwicklung. Deutlich wird diese Wandlung in der Serie «My Life’s Dreams»: auf Sofas, moosbedecktem Waldboden oder Sommerwiesen liegende Mädchen. Die digitale Bearbeitung dieser Märchenbilder, die wirken, als wären sie mit Leuchtstift gemalt, entstehen ausschliesslich nachts, wenn Ruhe eingekehrt ist im Hause Strba. «Geschlossene Augen ziehen eine Grenze zwischen Innen und Aussenwelt. Das fasziniert mich ungemein», sagt Annelies Strba, die im obersten Saal vor ihren neusten Werken steht. Dicht an dicht reihen sich in Petersburger Hängung leuchtende Blumenwiesen, schlafende Mädchen und ikonenhafte Madonnenbilder aneinander. Willkommen in Annelies Strbas zauberhafter Welt.

Kunsthaus Zug: Bis 19. 5., Di–Fr 12–18, Sa/So 10–17 Uhr, Tel. 041 725 33 44, www.kunsthauszug.ch

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