Reinhold Messner Nachgefragt

Der 66-jährige Südtiroler ist einer der bekanntesten Bergsteiger. Er ist zum zweiten Mal verheiratet, hat vier Kinder, wohnt in Meran (I) und München.
Gipfelstürmer Reinhold Messner
© Dick Vredenbregt Gipfelstürmer Reinhold Messner

Schweizer Illustrierte: Herr Messner, Sie sind in Zürich als Referent beim Swiss Leadership Forum, sprechen über «Leistungsgrenze – Führung in Ausnahmesituationen». Ihr Credo?
Reinhold Messner: Erstens: sich in der Notlage zusammentun. Zweitens: Wer zögert und nichts wagt, geht unter. Drittens: Jeder muss den andern im Team hundertprozentig vertrauen. Das alles weiss ich aus eigener Erfahrung.

Sie waren eben in Nepal. Beim Bergsteigen?
Ich war zehn Tage im Himalaja, half einem Team, das einen Film über mich macht. Wir drehten auf 4500 Metern, aber auch aus der Luft – von Bord einer Pilatus Porter. Vor Ort traf ich auch Schweizer.

Wen?
Ein Team der Air Zermatt bildet junge nepalesische Piloten zu Bergrettern aus.

Sie waren als erster Mensch auf allen 14 Achttausendern. Im Himalaja hat der Massentourismus Einzug gehalten. Fühlen Sie sich schuldig?
In den Alpen fing man vor 100 Jahren an, Tourismus anzusiedeln. In Nepal machen sie das nach, allerdings konzentrierter als bei uns. Doch auch bei uns läuft vieles falsch.

Was?
Der Tourismus muss regelmässiger verteilt werden. Und die Landwirtschaft sollte mehr mit dem Tourismus verzahnt werden.

Hängebrücken, Klettersteige: Viele sprechen von einer Verschandelung der Berge.
Eine bedenkliche Entwicklung. Wann kommt der Klettersteig durch die Eigernordwand? Da heisst es: Stopp sagen! Macht man die Alpen zum Disneyland, verliert man – in Paris liess es sich billiger bauen. Wir müssen das Unverwechselbare, das Wilde der Berge erhalten. Sonst ist in 100 Jahren kein Tourismus mehr möglich.

Welcher Schweizer Berg war am schönsten?
Eine tolle Tour unternahm ich 1974 mit Peter Habeler. Für die Eigernordwand brauchten wir zehn Stunden: damals Rekord.

Ueli Steck durchrannte sie in 2 Stunden 48.
Ich kenne Ueli, mag und bewundere ihn. Er gehört momentan zu den weltweit besten klassischen Alpinisten. Er hat nicht nur ein historisches und philosophisches Interesse an der Bergwelt, sondern auch eine unheimliche Kondition. So fit wie er war ich nie.

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