Jörg Stiel Nachgefragt

Optimist Jörg Stiel, 42, Aargauer, einst Nati-Captain und Meister-Goalie des FC St. Gallen, glaubt an ein Wunder, das den Ostschweizer Klub vor dem Ruin rettet.
Jörg Stiel, 42
© RDB/Bruno Voser Jörg Stiel, 42

Schweizer Illustrierte: Jörg Stiel, wo gibts ab kommender Saison die besten Bratwürste im Spitzenfussball?
Jörg Stiel: In der AFG-Arena in St. Gallen natürlich! Ich spreche von der Super League. Ich auch! Der FC St. Gallen wird trotz der Verweigerung weiterer finanzieller Hilfe durch die Politik nicht zahlungsunfähig, zwangsrelegiert, von der Bildfläche verschwinden. Der Klub ist einfach zu wichtig – auch für den Schweizer Fussball.

Die Signale aus Stadtparlament und Fan-Foren deuten aber eindeutig auf Untergang.
Es darf einfach nicht sein! Ich bin sicher, die nötigen Millionen kommen noch irgendwie zusammen. Ehrlich gesagt, ist das zwar eine Zuversicht, die durch nichts begründet ist. Aber die Region verdient es einfach.

Da müsste wohl eine Oeri, ein Spross oder ein Constantin kommen. Bisher gabs die aber nicht.
Ja logisch, bei der Art, wie da gewurstelt wird. Das Problem liegt ja nicht beim FCSG, sondern bei der Stadion AG und der Betreibergesellschaft. Wer hat denn diese Baukosten-Überschreitungen in Millionenhöhe zu verantworten? Da wird jegliche Transparenz verweigert, und das ist der Skandal. Es gäbe auch in der Ostschweiz richtig reiche Privatpersonen, die helfen könnten. Aber wenn jemand kommt und den Klub mit seinen Millionen rettet, dann will er doch den Durchblick haben und bestimmen können.

Was wäre bei einem Abstieg in der Region los?
Ich habs auf sportlichem Weg 1993 erlebt. Unglaublich, wie leidensfähig die Leute hier sind, wie sie hinter dem Klub stehen. Das ist nicht nur Fussball. Es geht deshalb jetzt auch um viel mehr als nur um Kosten wie damals in Genf. Es macht mich total hässig, dass dies die Verantwortlichen für das Debakel nicht erkennen. Die müssten jetzt demütig sein und den Weg frei machen, dass jemand kommen kann wie in Salzburg, wo Red-Bull-Mateschitz mit seinem Geld Klub und Stadion in die Hand genommen hat.

Und wenn nicht, was geschieht dann mit der allseits bewunderten AFG-Arena?
Tja, dann macht man halt das nächste Ostschweizer Turnfest darin.

 

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