Kubilay Türkyilmaz Nachgefragt

Ex-Fussballstar Kubilay Türkyilmaz, 43, weiss aus Erfahrung, wie es ist, von den eigenen Fans ausgepfiffen zu werden.
Kubilay Türkyilmaz rät Alex Frei weiterzumachen.
Kubilay Türkyilmaz rät Alex Frei weiterzumachen.

Schweizer Illustrierte: Kubilay Türkyilmaz, wie hätte der Heisssporn Kubi an Alex Freis Stelle auf die Pfiffe reagiert?
Kubilay Türkyilmaz: Er hätte diesen Leuten eine eindeutige Geste gezeigt. Was für eine amateurhafte Fan-Kultur! Doch Alex liess sich nicht provozieren. Vielleicht hat er dasselbe Problem wie ich: Im ersten Moment wirken wir unsympathisch. Erst wenn man uns besser kennt, findet man uns nett. 

Sie wurden in Ihrer Karriere auch beschimpft, traten deswegen sogar zurück …
… und habe so den Dummen recht gegeben. Ein Fehler! Trotzdem sollte Alex gegen die Ukraine (am 17. November) pausieren – das ist nur ein Testmatch. Wichtig ist, dass er im März gegen Bulgarien befreit zurückkehrt.

Als Captain?
Natürlich! Er geniesst auf dem Platz von allen grössten Respekt.

Was werfen Sie Trainer Ottmar Hitzfeld vor?
Alex war mental nicht bereit, seine beste Leistung zu zeigen. Steht ein Spieler derart unter Druck, muss man ihn aus der Schusslinie nehmen. Ein Coach, der zwei Millionen pro Jahr verdient, sollte das erkennen.

Was raten Sie Alex nun?
Mach weiter! Hingegen müsste der Verband endlich auf solche Pfiffe reagieren.

Glauben Sie noch an die Qualifikation für die EM 2012 in Polen und der Ukraine? Da bin ich nicht sehr optimistisch. Das 4:1 gegen Wales verdeckt einige Probleme.

Zum Beispiel?
Dass Goalie Benaglio nicht 100 Prozent fit aufläuft und dann prompt verletzt raus muss, war unprofessionell. Zudem fehlt im Mittelfeld die Kreativität, weil Hakan Yakin nur auf der Bank sitzen darf. Wenn Hitzfeld wählen muss zwischen einem, der rennen kann wie Inler, und einem Künstler – dann wählt er den Läufer. Leider.

Sie sehen den Nationaltrainer sehr kritisch.
Er hat mich enttäuscht. Mir wäre einer lieber, der langfristig plant in Richtung WM 2014. Der die Talente konsequent an die Spitze bringt. Interview ILONA SCHERER

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