Roman Signer Nachgefragt

Sprengkraft: Aktionskünstler Roman Signer, 72, lässt beim Durchschlag zum Neat- Gotthardtunnel Helme regnen – als Hommage an die Tunnelbauer.
Roman Signer
Roman Signer

Schweizer Illustrierte: Herr Signer, lassen Sie es am Freitag krachen?
Roman Signer: Alles in einem gesunden Mass. Zuerst dachte ich an eine Aktion mit stärkeren Ladungen. Doch das wäre in unmittelbarer Nähe des Festgeländes nicht möglich gewesen. Nun arbeite ich mit kleinen Sprengsätzen, die gleichzeitig 100 gelbe Mineur-Helme 20 bis 30 Meter in die Luft katapultieren.

Was wollen Sie damit darstellen?
Die Aktion soll den Jubel im Tunnel symbolisieren – wenn die Mineure nach dem Durchschlag ihre Helme in die Luft werfen. Meine Vorführung ist auch als Hommage an die Erbauer des Eisenbahntunnels in den 1870er-Jahren gedacht. Damals arbeiteten die Mineure noch mit Dynamit. Im Urner Dörfchen Isleten wurde eigens dafür eine Sprengstofffabrik errichtet

Wie haben Sie sich vorbereitet?
Seit mehreren Wochen. Allein das Finden der richtigen Helme war schwierig. Die ersten, die wir getestet haben, sind zerborsten. Auch die Röhren, in denen die Zündungen erfolgen, müssen genau passen. Dann das administrative Verfahren – die Bewilligung der Bauleitung ist erst am 1. Oktober eingetroffen. Und zum Schluss hat auch die Suva ihre Bedenken angemeldet.

Können Sie diese teilen?
Überhaupt nicht. Sprengstoff hat ein schlechtes Image. Dabei kann man ihn auch friedlich einsetzen.

Worauf sind Sie am meisten gespannt?
Auf den Ton der herabfallenden Helme. Wird man ein Sausen hören?

Gibt es die perfekte Sprengung?

Nur in Gedanken – auch bei diesem Projekt.
Die Helme werden nicht bolzengerade aufsteigen und wieder fallen. Sie werden kollidieren, chaotisch durcheinanderwirbeln und wild zu Boden prasseln.

Wie gefährlich ist die Vorführung?
Gar nicht. Das Zündmaterial fällt nicht einmal unter das Sprengstoffgesetz. Ausserdem warnen wir das Publikum mit dem Sprenghorn. Das reduziert auch das Risiko, dass jemand die Show verpasst – was vorkommen kann. Nach wenigen Sekunden ist alles vorbei.

 

 

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