Franz Weber Nachgefragt

Der Schweizer Umweltschützer Franz Weber, 82, über die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko.
«Was da passiert, ist für mich ein Verbrechen»
© Kurt Reichenbach «Was da passiert, ist für mich ein Verbrechen»

Schweizer Illustrierte: Herr Weber, Sie sind ein international engagierter und renommierter Umweltschützer. Aber zur Ölkatastrophe im Golf von Mexiko haben wir von Ihnen noch nichts gehört. Warum?
Franz Weber: Weil ich schockiert bin. Wir erleben zurzeit die grösste Umweltkatastrophe überhaupt. Was da passiert, ist für mich ein Verbrechen.

Ein Verbrechen?
An der Natur. Aus schrankenloser Profitsucht holen ein paar wenige Konzerne und Staaten die letzten Reserven aus unserer Erde heraus und erzielen dabei riesige Gewinne – auf Kosten der Umwelt und von uns Menschen.

Was sind denn die Folgen für das Ökosystem im Golf von Mexiko? Und für uns alle?
Nur ein kleines Beispiel der verheerenden Folgen für die gesamte Fauna und Flora: Viele Laichplätze des Roten Thunfischs befinden sich im Golf von Mexiko. Die Ölkatastrophe fällt in die Laichzeit, was den Roten Thunfisch auszurotten droht. Das Ökosystem wird sich grossflächig jahrzehntelang nicht erholen können.

US-Präsident Barack Obama steht stark in der Kritik. Was erwarten Sie von ihm?
Obama ist nicht alleine schuld. Seine Vorgänger haben das Desaster ebenfalls zu verantworten, allen voran George W. Bush. Wenn nun Ölbohrungen für ein paar Monate eingeschränkt und die Technologien etwas verbessert werden, hilft das der Umwelt überhaupt nicht.

Was fordern Sie denn?
Den radikalen Systemwechsel. Wir müssen uns vom Erdöl verabschieden und auf saubere Energien setzen, Elektroautos fahren statt Benzin verbrennen.

Das ist eine Illusion. Die Welt ist vom Erdöl abhängig.
Nein, es ist eine Frage des Profits. Wer viel Geld mit dem Erdöl verdient, will nicht darauf verzichten. Aber die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko lässt auch hoffen.

Wie bitte?
Ich hoffe, dass uns dieses Drama die Augen öffnet. Dass wir nun bereit sind, auf die Alternativen zum Erdöl zu setzen. Und dass wir endlich den Weltkrieg gegen die Umwelt beenden.

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