Urs Imboden Nachgefragt

Nach seinem Rauswurf bei Swiss-Ski fuhr der Münstertaler Ski-Rennfahrer Urs Imboden, 36, die vergangenen fünf Jahre für Moldawien. Nun wird er Trainer am Ski-Gymnasium von Davos.
Erfolgreicher Einzelgänger
Erfolgreicher Einzelgänger

Urs Imboden, wie gut ist Ihr Moldauisch?
Kaum besser als mein Chinesisch. Im Ernst: Das Romanische und das Moldauische sind ein wenig verwandt, deshalb verstehe ich einzelne Wörter, aber mehr nicht.

Fünf Jahre fuhren Sie für Moldawien. Sind Sie dort nun ein Volksheld?
Bei Weitem nicht! Aber man wählte mich einmal immerhin zum Sportler des Monats. Aber die Leute verfolgten meine Rennen via Eurosport und freuten sich, wenn ich gut für Moldawien fuhr.

Haben Sie zum Land einen besonderen Bezug?
Nein, ich fuhr für Moldawien, weil ich in der Schweiz wegen ausbleibender Resultate ausgemustert worden war. Plötzlich für ein anderes Land anzutreten, erforderte viel Mut. Vorher war ich 13 Jahre lang stolz für die Schweiz gefahren.

Empfanden Sie Schadenfreude, als Sie später des Öfteren schneller fuhren als die Schweizer Slalom-Fahrer?
Eher eine gewisse Genugtuung, das gebe ich gerne zu. In erster Linie freute ich mich über meine Resultate. Und das i-Tüpfelchen war jeweils, wenn ich bester Schweizer war. Toll war, wie mich die Schweizer Fans stets bedingungslos anfeuerten.

Erkannte man Sie denn überall als Schweizer?
In der Regel schon. Nur einmal fragte man mich in einem Hotel, ob die Anreise aus Moldawien sehr beschwerlich gewesen sei.

Hat Sie Ihr Ost-Engagement reich gemacht?
Sicher doch – an Erfahrungen! Ich war mein eigener Service-Mann, Manager und Funktionär. Das macht mich alles sehr stolz, aber wahrscheinlich hat deswegen auch der letzte Zwick zu Spitzenresultaten gefehlt. Finanziell gesehen bin ich eben so rausgekommen.

Sie werden nun Trainer am Sport-Gymnasium in Davos. Würden Sie einem jungen Athleten Ihren Werdegang zur Nachahmung empfehlen?
Es muss ja nicht gerade mein Weg sein. Aber zumindest sollten junge Talente versuchen, nach der Ausbildung den Weg zum Profi-Sportler einzuschlagen. Als Lebensschule kann ich mir nichts Besseres vorstellen.

 

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