Adrian Arnold Paris-Experte: «Das Baby ist Thema Nummer 1»

Der frühere Paris- und aktuelle Bundeshaus-Korrespondent des Schweizer Fernsehens ist eben aus den Frankreich-Ferien zurück. Im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» spricht er über die bevorstehende Geburt des Sohnes von Carla Bruni und Nicolas Sarkozy. Und sagt, weshalb das Baby dem Präsidenten nützlich ist.
Sarkozy-Kenner: Adrian Arnold.
Sarkozy-Kenner: Adrian Arnold.

Herr Arnold, ist Paris im Baby-Fieber?
Ja, das Baby ist Gesprächsthema Nummer 1. In der Presse, auf der Strasse, überall.

Nicolas Sarkozy gilt als grosser Inszenator. Macht er auch vor seinem Baby keinen Halt?
Das wäre eine Unterstellung. Sarkozy-Gegner behaupten, er wolle mit gezielter Kommunikation zur Geburt den Wahlkampf der Sozialisten schwächen. Aber ich denke, er wird zurückhaltend agieren.

Im Stil von: Seht her, ich schütze meine Familie?
Genau. Sarkozy versucht, sein Image zu polieren. Der hyperaktive Präsident von früher kam nicht gut an. Die Vaterrolle hilft ihm, ruhiger und besonnener zu wirken.

Wann wird er sich in dieser Rolle zeigen?
Damit lässt er sich wohl noch etwas Zeit. Sonst könnte man ihm vorwerfen, er missbrauche das Baby für den Wahlkampf.

Könnte es denn Sarkozys Wiederwahl sichern?
Wenn er nicht allzu offensiv kommuniziert, könnte es als einer von vielen Faktoren dazu beitragen.

Also ist das Kind im Wahlkampf mehr wert als eine Plakatkampagne?
Sarkozys Wahlkampagnen-Chef sagte kürzlich zu mir, es gäbe seiner Meinung nach kaum etwas Besseres als dieses Baby.

Obwohl Sarkozys Umfragewerte sich während der Schwangerschaft kaum verbesserten?
Auf jeden Fall schadet es ihm nicht.

Sind Franzosen besonders anfällig für Wahlkämpfe mit Babys?
Man weiss es nicht, das hat es ja noch nie gegeben. Fakt ist: Frankreich hat die höchste Geburtenrate in Europa. Bestimmt können sich viele Franzosen mit Papa Sarkozy identifizieren.

Funktioniert das auch im Bundeshaus?
Zwischen der Schweiz und Frankreich gibt es einen grossen Unterscheid: Hier findet Politik im Alltag kaum statt. In Frankreich ist der Präsident jemand, dessen Privatleben am Mittagstisch diskutiert wird.

Also keinen Baby-Bonus für Pascale Bruderer oder Ursula Wyss an den Parlamentswahlen?
Es fehlt der mediale Hype. Aber schaden tuts sicher nicht. 

 

Auch interessant