ILLUSTRATORIN LAURA JURT Poesie des Alltags

Spätestens seit der Illustration von Tim Krohns neuem Buch «Der Geist am Berg» ist Laura Jurt ein BEGRIFF. Ihr vielseitiges Werk ist eine Entdeckung.
Verzaubert: Laura Jurt posiert in ihrem Zürcher Atelier. Die Künstlerin hat Sinn für klare Formen.
© Willy Spiller Verzaubert: Laura Jurt posiert in ihrem Zürcher Atelier. Die Künstlerin hat Sinn für klare Formen.

Laura Jurt, 31, folgt den Anweisungen des Fotografen. In der Hand hält sie einen Scherenschnitt, der seinen Schatten auf die dahinterliegende Wand wirft. Das weiche Licht einer Lampe modelliert ihr Gesicht, die rehbraunen Augen leuchten unter den dichten Augenbrauen. Eine märchenhafte Stimmung erfüllt den Raum. Hier, in dieser kleinen Ateliergemeinschaft in Zürich Oerlikon, fühlt sich die Künstlerin wohl, hier kann sie ihrer Fantasie beim Illustrieren von Erzählungen und Werbeaufträgen freien Lauf lassen.

Auf einen bestimmten Stil kann man Laura Jurt nicht festlegen. Auch nicht auf eine einzelne Technik. Die Luzernerin zeichnet mit Bleistift genauso gern wie mit Kugelschreiber oder Tusche. Weiter bearbeitet sie Linolplatten, erstellt Scherenschnitte oder schneidet Motive präzis mit dem Japanmesser. Da sich Laura Jurt keine Druckerpresse leisten kann, erfindet sie neue Druck-Methoden. Ein Wallholz über Papier und Vorlage gerollt, ist genauso effizient wie das Pressen mit den Händen.

Die Arbeit zu Tim Krohns Erzählung «Der Geist am Berg» war eine Herausforderung. Vor allem bei der Gestaltung der 13 bis 14 zusammenhängenden Illustrationen. «Die Geschichte ist eckig und kantig, aber auch sehr berührend.» Was die Künstlerin bewog, mit klaren Formen und Papierdruck zu arbeiten.

Laura Jurt lebt zusammen mit ihrem Partner in Zürich. Vor sechs Jahren zog sie von Luzern in die Limmatstadt. Das Leben der Illustratorin gleicht manchmal einem Puzzle. Zurzeit arbeitet sie zusammen mit Autor Christoph Meier am Kinder-Comic «Sirupquelle». Für das vierteljährlich erscheinende Comic-Magazin «Strapazin» entwirft sie Inserate-Kleber.

Und an zwei Abenden kellnert sie in Zürich. «Ich möchte aber wieder mal weg», sagt Laura Jurt und schaut sehnsüchtig aus dem Fenster ihres Ateliers. Die Antragspapiere für ein Auslandstipendium liegen schon bereit.

2005, nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Luzern, hielt sich die frischgebackene Illustratorin drei Monate in Lissabon auf. «Reisen ist eine Quelle der Inspiration, das Skizzenbuch mein wichtigster Begleiter auf der Suche nach der Poesie des Alltags.» Laura Jurt steht auf und zieht zwei grosse Kartonschachteln mit Skizzenbüchern hervor. Ein unermesslicher Schatz: Wer darin stöbern darf, Seite um Seite umblätternd, verweilt auf dem Bild eines jungen Mannes hier, einer Musikerin dort oder auf einem Interieur. Ein wahrer Kosmos, geschaffen mit Kugelschreiber, Bleistift und einzelnen Farbtupfern.

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