Patricia Bucher, Manor Kunstpreisträgerin Poesie des Grauens

Die Künstlerin Patricia Bucher zeigt in Luzern ihre jüngste Arbeit: ein langes Band mit Hunderten von Schlacht- und Kriegsszenen. Ein schaurig-schönes Sehvergnügen um Fragen von Leben und Tod.
Beeindruckend: Im scheinbaren Chaos liegt der Reiz des Werkes.
Beeindruckend: Im scheinbaren Chaos liegt der Reiz des Werkes.

Gezückte Schwerter, gespannte Bögen, geladene Gewehre, geschliffene Klingen, gespitzte Pfeile. Das «Schlachtenpanorama» von Patricia Bucher, 34, zeigt sich wie eine Enzyklopädie der Kriege. Die Künstlerin lässt auf einem 30 Meter langen Satinband ganze Heerscharen aufmarschieren: Fussvolk und Berittene, Soldaten mit Panzern, Matrosen auf Schiffen, Ausserirdische auf merkwürdigen Flugkörpern.

Es sind Inkas zu erkennen, Indianer, Ägypter, Mongolen, Eidgenossen, Römer, Afrikaner, Cowboys, Samurai, Perser, US-Soldaten. Auf der ganzen Länge des Bandes wird nur gekämpft, die einzelnen Szenen fliessen nahtlos ineinander. Chronologie ist unwichtig, Hauptsache, die ganze Welt ist vertreten. «Mich beschäftigen existenzielle Fragen. Wenn es um Leben und Tod geht, sind sie am intensivsten.» Angefangen hat das kriegerische Abenteuer vor einigen Jahren mit losen Zeichnungen, die die Aargauerin vorwiegend aus dem Internet holte.

Die Idee einer umfassenden Sammlung von Schlachten war schnell geboren. Das «enzyklopädische Unternehmen», das keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, sollte drei Monate dauern. Es wurden dreieinhalb intensive Jahre daraus. Die ersten Monate vergingen mit Suchen und Zusammentragen von Formationen. Alle Krieger erhielten eine ungefähre Grösse von 15 Zentimetern. Dann wurden sie abgepaust, neu gruppiert und auf ein 30 Meter langes und 60 Zentimeter hohes Papierband gezeichnet. Schliesslich gescannt, am Computer koloriert und auf Satin gedruckt. Das «Schlachtenpanorama» wirkt nicht verherrlichend. Weder Napoleon noch Hannibal kommen darin vor. Die Krieger sind schön, blutüberströmte Tote eine Seltenheit. Die geschlossene Form der Darstellung hat aber etwas Beklemmendes: Die Abfolge von Kriegen ist endlos, ein Teufelskreis, aus dem wir anscheinend nicht mehr herausfinden.

Kunstmuseum Luzern:
Bis 1. 5. Di/Mi 10–20, Do–So 10–17 Uhr, Tel. 041 - 226 78 00,

www.kunstmuseumluzern. ch

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