Marseille - Kulturhauptstadt 2013 Alte Dame in neuem Glanz

Mit neuen Museen, herausgeputzten Quartieren, autofreiem Hafen und unzähligen Kulturevents will sich die Kulturhauptstadt Marseille neu erfinden: als strahlende Mittelmeermetropole.
Hafen von Marseille mit Kirche Notre Dame de la Garde im Hintergrund
© Getty Images

Spektakulär. Stolz thront die Kirche Notre-Dame de la Garde über der Hafenstadt Marseille.

Der Mistral fegt mehr als hundert Tage im Jahr durch die Strassen von Marseille – gut, dass sie anlässlich der Nominierung zur Kulturhauptstadt 2013 (meist) geputzt sind. Die alte Hafenstadt am Mittelmeer nutzt die Auszeichnung, um ihr ramponiertes Image aufzupolieren. Am deutlichsten sichtbar ist die Veränderung rund um den Vieux Port und an der Promenade Richtung Kathedrale und Docks.

Fussgängerzone Am Hafenbecken, wo sich einst dichter Verkehr drängte, kaufen die Einheimischen heute jeden Morgen fangfrischen Fisch. Passanten flanieren über den grosszügig angelegten Platz und begutachten Norman Fosters spektakulären Pavillon (Bild). Oder geniessen in den Cafés am Quai den Blick auf Notre-Dame de la Garde. Das Wahrzeichen von Marseille thront über der Stadt, die goldene Schutzpatronin Bonne Mère auf dem Glockentrum glänzt in der Sonne. Nicht nur Touristen greifen hier oben entzückt zur Kamera. Auch einheimische Paare, christliche wie muslimische (!), nutzen die schöne Kulisse für ihre Hochzeitsfotos.

Bunt gemischt So multikulti wie die Bevölkerung der französischen Hafenstadt, so abwechslungsreich präsentiert sich auch das Kulturprogramm. Ausstellungen, Konzerte, Tanz, Installationen, Film, Theater – übers Jahr verteilt finden rund tausend Events statt. Eine gute Übersicht bietet der Pavillon M am Vieux Port (www.pavillon-m.com). Von hier lohnt der Aufstieg ins verwinkelte Quartier Le Panier. Bröckelnde Hausfassaden, mittelalterliche Gässchen, charmante Restaurants und Boutiquehotels sorgen für Atmosphäre. Nicht verpassen: das ehemalige Hospiz Vieille Charité und der höchstgelegene Platz der Altstadt, die Place des Moulins.

Moderne Architektur Vom Fort Saint-Jean, einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert, führt ein Steg ins Museum der europäischen Zivilisationen, kurz Mucem. Die spektakuläre Glasfassade wird flankiert von der nicht minder interessanten, in L-Form gebauten Villa Méditerranée, die künftig als Event- und Ausstellungshalle genutzt wird. Weiter westlich bestimmt ein 142 Meter hoher Wolkenkratzer das Stadtbild: Sitz einer der grössten Reedereien der Welt und gebaut von keiner Geringeren als der Stararchitektin Zaha Hadid. 2010 wurde er von der Jury des Emporis-Awards zum weltweit drittschönsten neu gebauten Wolkenkratzer gekürt.

Natur Wem das Gewusel in der Millionenstadt zu viel wird, dem sei ein Abstecher in die Calanques ans Herz gelegt: Eine halbe Stunde vom Zentrum entfernt wirkt die wilde Landschaft aus Felsen, verwunschenen Buchten und azurblauem Meer wie ein Stück Paradies.

Auch interessant