The Dolder Grand in Zürich Wie wohnen eigentlich die Scheichs im «Dolder»?

Das «Dolder Grand» über Zürich weiht seine Terrazza-Suite ein. 400 m2 gross, mit viel Gold, Perlmutt und Marmor. Wie lebt es sich in einer Suite, die 10 500 Franken pro Nacht kostet? Ein Selbstversuch.
The Dolder Grand Zürich
© HO

Noble Suiten, grosse Restaurants, berührende Kunst.

Der erste «echte» Gast bleibt etwas länger. Ein Scheich aus Middle East hat die Terrazza-Suite für sich gebucht. Gegen Vorkasse und auf unbestimmte Zeit. Mister Stanley, der im Kurzverfahren ausgebildete Butler aus Hongkong, wird sich um ihn kümmern. Diskret und sehr aufmerksam. Nimmt der Gast mehr als zwei Aprikosen aus dem mehrere Kilogramm schweren Früchtekorb, wird er als Aprikosen-Freak geoutet. Und kriegt vor dem Einschlafen prompt ein Aprikosen-Dessert. Stanley stellts hin, wünscht «sweet dreams» und zieht sich leise zurück.

Scheichs essen etwas später. «Dolder»-Direktor Mark Jacob und seine Mitarbeiter sind auf Besucher aus Middle East gut vorbereitet. Sie wissen, wann Scheichs Hunger haben. Etwas später, eher gegen Mitternacht. Und natürlich erfüllt man jeden kulinarischen Wunsch. Firas El-Borji stammt aus dem Libanon, ist im «Dolder» zuständig für die Halal-Küche. Im gekühlten Weinschrank liegen üblicherweise ein paar Flaschen Champagner, ein Sito Moresco von Gaja, ein Aalto aus dem Ribera del Duero oder ein Chardonnay von Gantenbein in Fläsch. Für Gäste aus dem Nahen Osten werden diese Top-Gewächse ersetzt. Mit Premium-Mineralwasser aus der ganzen Welt (Fiji, Voss & Co.). Die westliche Roomservice-Variante? Stanley entkorkt einen «Ganti», serviert Zürcher Geschnetzeltes. Vom Filet, ohne Nierli, mit knuspriger Rösti (für 64 Franken). Ein privates Diner für 1111 Franken gibts auch: Balik Zar Nikolaj, 30 Gramm iranischer Beluga, eine Flasche Krug.

Baden und Dampfbaden. Die Terrazza-Suite hat einen orientalischen Touch. Gold an der Decke und vor den Schränken. Marmor aus dem Tessin (Arzo-Macchiavecchia), riesige Sitzgruppen, Esstisch für zehn Personen, Schachbrett. Das Badezimmer ist ein Traum: zartbraun schimmerndes Perlmutt. Eine ovale Wanne, die auch Whirlpool ist. Und auch hier ein Flachbildschirm an der Wand. Per Knopfdruck mutiert die riesige Dusche zum Dampfbad. In der Küche stehen u. a. zwei V-Zug-Combi-Steamer. Licht, Temperatur, Vorhänge werden über einen Touchscreen gesteuert; auf einem Screen sieht man, wer an der Suitentür klingelt. Stanley zum Beispiel, mit dem Zürcher Geschnetzelten.

Per Lift ins Büro. Ein imposantes Arbeitszimmer liegt eine Etage höher. Rauf schwebt man im goldverkleideten Schindler-Lift, vorbei an der privaten Eingangshalle mit dem prunkvollen Swarovski-Kronleuchter. Auf dem riesigen Pult liegen Schreibpapier und Visitenkarten; Name und Vorname der Gäste sind diskret eingedruckt, mit dem Vermerk «Resident at Dolder Grand». Resident für 48 Stunden.

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